Übers Kino: Filme aus dem Jahr 2015 - Page 5

von Klaus Mattes
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des Holmes-Verehrers für örtliche und historische Genauigkeit und Plausibilität Hohn sprachen. Fortsetzungen wären immer noch möglich. Aber offenbar strebte Ritchie nach Neuem und jetzt ausgerechnet bei der albernen Agentenserie ums wider eigenen Willen zusammengeschweißte Duo aus CIA- und KGB-Agent (man fragt sich, wer „der“ Mann von U.N.C.L.E. ist, wo doch alles davon lebt, dass es immer schon zwei sind) setzte er auf so was wie Authenzität. Die Ausstattung ist, zwischen Berlin und Italiens Küste, wunderschön detailreich und sixty-ish. Der Humor auch: Zwei junge Männer, die sich sowieso nicht ausstehen können, aber einander brauchen, bekommen eine kesse Ost-Berliner Professorentochter vor die Nase gesetzt, der eine hat ihren Bräutigam zu spielen, der andere muss sich ständig zurückhalten, ihr ein Liebesgeständnis zu machen. Allein, die Handlung ist schlecht und unglaubwürdig ausgedacht. Bringt mit den sonst ja verehrungswürdigen Schauspielern Sylvester Groth und Christian Redl jetzt noch ganz platte Bösewichter. Nur Hugh Grant - als der Mann von U.N.C.L.E. (haha!) grinst so ganz fein wie geübt. Um hier die altmodische Agentenfilmparodie, wie sie der Zwölfjährige in mir nach wie vor mag, anzudeuten: Russe und Amerikaner werden, damit die Chefs ihnen erklären können, warum man ab jetzt für diese eine Mission an einem Strang zieht, in ein West-Berliner Promenadencafé am Wasser bestellt. Draußen Regen. Gäste an jedem Tisch. An einem Punkt der Unterhaltung heißt es: „Gut, dann lassen wir Sie jetzt allein.“ Schlagartig stehen sämtliche Gäste auf und verlassen das Lokal. Wer so was nicht mag, darf den Film getrost verpasst haben.

Kingsman
„Kingsman“ war der beste Guy-Ritchie-Film, den Guy Ritchie nicht gemacht hat. Regisseur und Co-Autor Matthew Vaughn ist ein alter Kumpan von Ritchie. Er war der Produzent bei „Bube, Dame, König, grAS“. Guy Ritchie selbst hat im Jahr 2015 mit der Sechziger-Jahre-Agentenkomödie „U.N.C.L.E.“ einen Kassenflop geliefert. Seine Sherlock-Holmes-Actionfilme mit Robert Downey und Jude Law hatten noch mehr Zuspruch erfahren. Matthew Vaughns Einfall, einen Jungen vom sozialen Brennpunkt in einen manierlichen Herren- und Agenten-Club, am Ende gar in einen Weltraumkrieg gegen den lispelnden Oberbösen Samuel L. Jackson zu katapultieren, gefiel den jungen Zuschauern jetzt besser. (Zum schwarzen Baseballmützenträger aus USA fand sich in der sonst vergessenswerten Teddybären-Zotenklamotte „Ted 2“ diese Pointe: „Samuel L. Jackson?“ „Hast du mal einen Film gesehen?“ „Ja, natürlich.“ „Gut, Samuel L. Jackson war der Schwarze.“) Die Idee, die viel zu vielen Menschen auf der Erde als Seuche, ihre Vernichtung als Rettung und die Verteilung kostenloser Handys, über die ein Killerimpuls gestreut wird, als Methode anzugehen, hatte wohl schon in der Luft gelegen. Auch der sadistische Scherz, aus der mit Messern in ihren Schuhspitzen mordenden Lesbe Rosa Klebb der frühen Bond-Abenteuer eine supertrainierte Killerin wie Uma Thurman bei Quentin Tarantino zu machen, ging in Ordnung. Allerdings war ja doch der Kontrast zwischen dem Kaugummi kauenden Street Kid und seinem snobistischen Kingsmen-Mentor - also zwischen dem pummeligen Taron Egerton und einem mit den Jahren zu ständig größerer Würde aufsteigenden Colin Firth, die stärkste Karte, mit der die Actionkomödie trumpfen konnte. Mithin schwer zu akzeptieren, dass man die Frechheit besaß, die interessanteste Figur von Samuel L. Jackson bereits da ermorden zu lassen, wo der Showdown noch nicht mal begonnen hatte.

Spy - Susan Cooper Undercover
Befremdlich, wenn der Plattensee für die bulgarische Schwarzmeerküste, dann Budapest für Paris herhalten muss, der Film dann doch noch in Ungarn zu seinem Schluss gelangt. (Goldene „Drei Länder, wo der Zuschauer noch nie war“-Regel von James Bond, passt schon noch für die Amerikaner.) Und klar, Amerika ist voll mit extrem übergewichtigen Frauen, dümmlich, ungebildet, geschmacksfrei angezogen, in Kleinstädten ohne jegliche Magie, in Jobs ohne Perspektive, Heldinnen, für die sich absolut keiner interessiert. Aber dennoch nicht ohne Risiko, eine davon zur komischten Frau des Planeten erklären zu wollen. Bei der Anfangsvierzigerin Melissa McCarthy (aus Plainfield, Illinois, immerhin am Rand der Agglomeration Chicago und direkt neben Romeoville) greift einen manchmal der fröstelnde Respekt an, wie eine Person so gnadenlos ihre nie zu überwindenden Grenzen verspotten lassen kann. Nein, sie ist nicht schön, nicht elegant und niemand ist gesonnen, sie allein deswegen für geistreich zu halten. Am Ende, nachdem sie sieben Mal übers Stöckchen gekugelt ist, gibt man sich also zufrieden: Sie hat ein echt goldenes Herz. Und natürlich in Paul Feig einen Produzenten und Regisseur, der in den drei Komödien „Brautalarm“, „Taffe Mädels“ (mit Sandra Bullock) und „Spy - Susan Cooper Undercover“ das Letzte aus ihr rausgeholt hat. Da ist die McCarthy eine Profilerin von der CIA, zum Festsitzen in Langley, Virginia verurteilt, aber heimlich sehr verschossen in ihren strahlenden Gentleman-Kollegen, gespielt von Jude Law. In der ersten Hälfte ist „Spy“ gnadenlos gut mit einer ganz grausamen Komik. Der Superagent fliegt auf und wird vor Susans heimlichem Überwacherinnen-Auge ruckizucki erschossen. Ihr gelingt es, für den Aktivdienst im Feld zugelassen zu werden, aber in Paris warten ein Zimmer in einer Absteige, ein gehässiger, ordinärer englischer Kollege und von nun an noch mehrere super-demütigende Übergewicht-Provinzlerinnen-Falsch-Identitäten auf sie. Man lacht sich schon schief, wenn man auch aufs ersehnte große Kollegenduell mit dem selbst ja ziemlich dümmlich agierenden Jason Statham umsonst gespannt ist. Wie viele Genreparodien, Krimi-Parodien, Horror- oder Fantasy-Parodien, fällt „Spy - Susan Cooper Undercover“ beträchtlich ab, als im zweiten Teil der Spott seltener und die Action immer mehr wird. Da kabbelt sich Susan dann mit einer höchst erwartbar agierenden Oberschichtzicke (die Australierin Rose Byrne), die sich zu allem hin auch noch als Geliebte des keineswegs toten Jude Law herausstellt. Was selbst hier den Film zu einem sehenswerten Vergnügen macht, sind, neben dem geduldigen Masochismus der Melissa McCarthy, die im Hintergrund stützenden beiden Damen: Allison Janneys (auch in „Duff“) supertrockene CIA-Vorgesetzte und die so herrlich normal-verrückte englische Fernsehkomödiantin Miranda Hart als Kollegen, die es nun aber auch alles haben will, wenn sogar die Dicke es kann.

Spectre
Im Internet fand ich, ein englischer Kritiker habe „Spectre“ als den schlechtesten Bond-Film seit 30 Jahren bezeichnet. Da wären „Die Another Day“ (Halle Berry, Rosamunde Pike, Korea, Kuba, Island) und „The Living Daylights“ (Jeroen Krabbe, Maryam d’Abo, Gibraltar, Bratislava, Afghanistan, der erste mit Timothy Dalton als Bond, zuvor waren Mel Gibson und Sam Neill ausgeschieden, ebenso Pierce Brosnan) geglückter gewesen? Na ja, mittlerweile

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