Eine rumänische Straßenhündin findet ein neues zu Hause

von Brigitte Beyer
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S W E E T Y

Das ist meine Geschichte.
Ich bin Sweety, wahrscheinlich geboren am 15.09.2005. Das ist nur geschätzt worden, denn ich bin eine rumänische Straßenhündin. Wer mir den Namen gegeben hat und wo ich gelebt habe kann ich Euch nicht erzählen. Sweety heiße ich wahrscheinlich, weil ich ja so süüüüüss bin. Ihr braucht Euch bloß mein Foto anzuschauen, dann wisst Ihr was ich meine.
Bevor ich nach Deutschland kam, lebte ich im größten Tierheim in Rumänien, der Smeura. Das Tierheim war vorher eine riesige Fuchsfarm bei Pitesti, ca. 120 km von Bukarest entfernt. Im Jahr 2000 ließ die Stadtverwaltung von Pitesti in der Smeura tausende Straßenhunde auf unmenschlichste Weise umbringen, die dann – noch gar nicht ganz tot – in mit Wasser vollgelaufene Massengräber geworfen und eingebuddelt worden.
Frau Ute Langenkamp gründete mit vielen anderen ehrenamtlichen Helfern die Tierhilfe Hoffnung. Im Frühjahr 2001 erfuhren sie über die Missstände und schalteten sich sofort ein. Sie übernahmen im Einverständnis mit dem Bürgermeister sowohl die Verantwortung für die übrigen Straßenhunde Pitestis als auch die Smeura selbst. Sie schlossen einen Vertrag mit der Stadtverwaltung, wonach alle Hunde der Stadt auf Kosten der Tierhilfe Hoffnung kastriert und zum Teil wieder auf die Straßen zurückgesetzt werden durften und die Stadtverwaltung die Tiere nicht mehr töten durften. Zurzeit leben in der Smeura 3500 Straßenhunde. Viele Tiere konnten die Smeura inzwischen verlassen und konnten somit vor Mord und Totschlag gerettet werden.
Als ich in das große Tierheim kam, bekam ich erst einmal eine Ohrmarke, dann wurde ich kastriert und gechipt So zu sagen ein Personalausweis für Hunde. Die Chipnummer gibt es nur einmal und ich bin quasi überall wieder zu erkennen. Ein Foto wurde auch gemacht und ich bekam einen Ausweis, wo alle meine Daten eingetragen sind.
Ich dachte schon ich muss ewig im Tierheim bleiben unter all den vielen Hunden. Ständig das Gebell, das geht einem ganz schön auf die Nerven. Eines Tages rollte dann ein Auto an. Ich spitzte meine Ohren und schaute, wer denn da käme. Einige Menschen kamen an die Gitter und schauten uns an. Ich kam mir vor wie im Zoo. Mann hatte ich ein Glück, da ich so lieb war gehörte ich zu den Auserwählten. Wir wurden in Transportboxen verladen und dann ging die große Reise los. Es war ein einziges Gerüttel und Geschüttel. Meine Retterin hieß Frau Henkel von Tierheim Oelzschau mit vielen anderen tierlieben Helfern. Nach langer Fahrt kamen wir im Tierheim Oelzschau an. Dort wurde ich nochmals gründlich untersucht und man musste feststellen, dass ich einige abgenutzte Vorderzähne und ein paar Kilos zu viel drauf hatte. Nun musste ich in Quarantäne. Das war ein Mist, wo ich doch gern stromern gehe. Aber was sein muss musste eben sein. Ich hätte ja eine gefährliche Krankheit in mir haben können und dann werden meine anderen Kumpels krank.
In der Zwischenzeit wurde ich auf die Internetseite vom Tierheim eingestellt. Dort entdeckte mich mein neues Frauchen. Sie war so begeistert von mir, dass ich gleich meinem neuen Herrchen vorgestellt wurde. Meine neue Familie war ganz traurig. Sie hatten schon 2 Collies kurz nacheinander verloren. Die eine hieß Bonny und hatte Leberkrebs. Mein neues Frauchen hatte so um ihr Leben gekämpft und dann doch verloren. Die zweite Colliehündin hieß Biene. Sie war schwer krank. Sie litt an einer Autoimmunkrankheit und musste ständig Cortison nehmen. Das ging auf die Gelenke und die inneren Organe. Am 5. Mai lag sie tot in der Stube. Einfach so. Das war natürlich für meine neue Familie ein schrecklicher Moment und auf einmal war das Haus leer und die Spaziergänge langweilig ohne Hund. Obwohl sie meinten das nicht wieder so schnell ein Hund ins Haus kommt, war die Sehnsucht doch größer nach einem vierbeinigen Kameraden den man knutteln und liebkosen konnte.
Wenn es wieder ein Hund sein sollte, dann nur einen aus einem Tierheim. Zuerst schaute mein Frauchen natürlich nach Collies. Einmal Collie immer Collie. Irgendetwas von Collie steckte auch in mir. Zumindest mein Hinterteil sah so aus. .Da es keinen gab, viel die Wahl auf mich.. So hatte ich das Glück, das mein Frauchen mein neues Herrchen überredete, doch einmal mich anzuschauen.
Am 15. Mai war es soweit, aufgeregt fuhren meine Beiden ins Tierheim. Dort wurde ich in den Besucherraum geführt. Um mich einzuschmeicheln, robbte ich auf dem Bauch zu meinen neuen Frauchen und duckte meinen Kopf. Jetzt wurde ich erst einmal bis zum Umfallen gestreichelt, gegrault und sogar gekämmt. Mein Fell war struppig und ganz matt. So lange wurde ich noch nie gestreichelt. Ach tat das gut. Dann wurde es mir aber doch zu viel und ich verzog mich unter die Sitzbank und schaute mit großen Knopfaugen darunter hervor. Mein neues Herrchen taufte mich Rolle, da ich einige Gramm zu viel auf den Rippen hatte. Nach einer Stunde wurde ich von meiner Tierpflegerin abgeholt. Jetzt schnell wieder in den sicheren Zwinger. Ich konnte ja nicht ahnen in was für ein schönes zu Hause ich komme. Nächsten Tag kamen die Beiden wieder. Jetzt bekam ich ein Halsband und eine Leine verpasst und dann ging es los. Für mich war das die Freiheit, auf die ich schon so lange gewartet hatte. Vorbei an den anderen Hunden, am liebsten hätte ich ganz frech die Zunge rausgestreckt, ging es auf der Straße entlang zu einem kleinen Waldstück, Immer wieder musste ich meine dicke Nase ins Gras stecken. All die fremden Gerüche. Da hatte ich ganz schön zu tun. Meine Beiden setzten sich ins Gras und ich mit meinem Schnäuzchen aufs Frauchens Bein. Ich war selig. Dann musste ich wieder zurück. Aber es war nicht für lange. Schon am Sonntag wurde ich auf Probe abgeholt. Jetzt musste ich Auto fahren, aber das ging ganz gut. Mein Frauchen hielt mich fest in ihren Armen. Nach einer halben Stunde waren wir angekommen. Alles stand schon für mich bereit. Zwei Körbchen mit Kuscheldecke, eins im Wohn- und das andere im Schlafzimmer, Trinknapf und Spielzeug. Jetzt ging es daran alle Zimmer zu erkunden und natürlich meiner Lieblingsbeschäftigung nachzugehen, alles zu erschnuffeln. Das Körbchen missachtete ich erst einmal. Dann legte ich mich

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Kommentare

21. Jun 2018

Eine anrührende Hundegeschichte. Sweety hat großes Glück gehabt!

LG Marie

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