Übers Kino: Filme aus dem Jahr 2015 - Page 6

von Klaus Mattes
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sind in der Daniel-Craig-Ära (nur vier Filme lang) alle Standard-Geheimdienstfiguren ersetzt worden, die alte Lady M durch den untoten Ralph Fiennes, der zauselige Erfinder Q durch den subtil-ironischen Schwulen Ben Whishaw, Miss Moneypenny durch den Hutständer, pardon, durch die süße Kaffeeschönheit Naomie Harris und nun muss allmählich halt auch Bond schon wieder ersetzt werden, weil der einst so testosteronstinkende Prolet Daniel Craig zum geschafften kleinen alten Herrn mit weißen Stoppeln geworden ist. Dass man zuvor noch einmal den eitlen österreichischen Scherzkeks-Magnaten Klaus Maria Brandauer, wenn auch 2015-er Version, Christoph Waltz also (Brandauer inspirierte den Film immerhin zur Verwendung seines Wohnortes, Altaussee, fein englisch Eltossieh mit Akzent ganz hinten gesprochen), war irgendwie unvermeidlich und ist ja an sich schon noch gangbar. Man weiß, dass Waltz ein Wurschtel ist, aber wenn er seinen Zahnarztbohrer aufs Gesicht zusteuert, macht selbst er Angst. (Bloß, was sollte der schwarze Meteorit, mit dem er sich so stolz verglich?) Léa Seydoux, das rötlichblonde Katzenäugige, das zeitgenössisch rotzige französische Super-Oh-la-la war zwar eigentlich schon dreißig, sah aber glatt zehn Jahre jünger und daher super gut für die rebellierende Tochter des alten Rührungs-James aus, sollte am Ende aber dann seine Ehefrau werden, wo man sich doch schon des Papa-Göre-Inzests erfreut hatte, stilvoll im Luxuszug und Rolls plus Bimbo-Chauffeur in der Wüste. Auch musste wohl im Zuge der allgemeinen Frauenmachtübernahme bei Bond, James Bond, nun also werden, dass eine Fünfzigjährige von ihm auf einen Blick und einen Drink flach gelegt wird und dieses brachte Monica Bellucci - als Schmerzensmadonna - ja auch nicht so übel. So hatte der Film noch manches, was ihn mich in sehr mildem Licht der Altersverzeihlichkeit betrachten lässt, „Skyfall“ viel rasanter oder nicht. Dennoch: Es endet in derselben Sackgasse, wo man vier Filme vorher schon war. Einerseits sollen diese blöden feuernden MGs im Heck des Aston Martin und die ewigen Spielcasinos und Dinner Jackets und schmachtenden Bikini-Busen und schreiend komisch blutig zerquetschten Stahlgebissfrankensteins, die explodierenden U-Dome, die den Kommunismus andeutenden Weltsadisten jedes Mal auch wieder an Bord sein, andererseits muss es heute politisch korrekt und ideologisch pluralistisch und für Zwölfjährige zumutbar und reale Fragen antippend (übernehmen Daten sammelnde Sicherheitsbeschützer die Weltkontrolle?) sein - und dazu aber auch noch ein melodramatisches Familienstücklein aus dem Haus dieses, sein wir ehrlich, immer schon sehr leeren, Herrn Bond: als Kind verwaist, von einem österreichischen Skilehrer an einen eifersüchtigen Halbbruder gekettet! Jetzt muss dieser Bond auch noch irgendwelche Eigenschaften haben, soll gerne Nina Simone oder Mumford & Sons hören, sich für Backgammon oder französische Weine interessieren, in eine Hotelanlage auf Malta investieren, David Cameron wählen. Nein, nein, alles geht nicht rein in eine Wundertüte - und daher ist da heutzutage jedes Mal wieder zu wenig drin.

Teil G

Viel Bumbum

Fast and Furious 7
Vin Diesel sitzt selbstüberzeugt grinsend in seinen Rennautoles. Trotz der winzigen Pasta-Pölsterchen gibt er mit Prolo-Grandezza den Chefraser vom Dienst, born with fuel in his veins. Und Paul Walker heischte derweil verzweifelt lichtblaublond ins Fragende, bin ich nicht der schönere Terence Hill, sodass uns bald einmal was fehlen wird, wenn der eine dem Krebs erlegen, der andere noch tiefkehliger und fauler sein wird. Sonst regiert bei „Fast and Furious 7“ schon länger das Sequel-Prinzip: noch größer, noch schneller, noch mehr kostspieliges Karacho! Autos im Fallschschirmformationsflug? Darauf hat die Welt noch gewartet. Im achten Teil werden sie sich brennend durchs klare Eis schneiden, um zu guter Letzt als Olive im Cocktail einer Strandbusigen an die Oberfläche zu steigen.

Die Tribute von Panem - Mockingjay 2
Mit dem Abschlussteil ward es also entschieden. Die Frage war nämlich, ist diese „Panem“-Trilogie (englisch „The Hunger Games“) eine ebenso verlogene, Teenagerjungenabenteuer auf Mädchen transformierende Abklatschangelegenheit wie vor ihr der „Twilight“-Serien-Hit? Oder regt sich ein weltweites Junge-Generation-im-Widerstand-gegens-System-Bewusstsein? Der erste Teil war wohltuend aufs Gladiatorenspiel in einem von Kameras überwachten Dschungel und die Moral der Selbstaufopferung für Schwächere aus. Der zweite Teil, mit seinem pathetischen Coldplay-Song am Ende, ließ uns dann aufmerken. Da war die aktuelle Jeanne d’Arc einer Revolution gegen die Unterhaltungsdiktatur erschienen, ausgerechnet aus dem Süden der USA sollte sie kommen! Teil 3, a) eine öde Zeitschinderei und Schwanzeinziehen vor der eigenen Courage. Befreiungskriege werden mittels pathetischer Fernsehansprachen und geiler Klamotten gewonnen. Wir waren bei einer „Tina - Das Magazin für Frauen“-Revolutions-Party gelandet. Und jetzt Teil 3, b), „Die Tribute von Panem - Mockingjay 2“. Dem vom Teen zur Frau gereiften Girl schenkte er dasselbe Happy End wie „Twilight“ auch. Sich unter zweien, zu lange um sie werbenden Jungs sich endlich für den Familienvater-Geeigneteren und also fürs Babykriegen, Rausziehen aufs Land, Kleinfamilie und Kuschelsex im Abendsonnenschein entscheiden! So gehen geglückte Umstürze aus.
Krass sehenswert ist dieser Film für Architekturfreunde, die von den Beton-Bestialitäten der siebziger und achtziger Jahre gefesselt sind. Ricardo Bofills pseudoägyptische Immigranten-Wohnkasernen in den Vorstädten von Paris. Die orangen U-Bahn-Stationen und ein Shoppingzementgebirge auf der Insellage West-Berlin. Am Anfang sieht’s nach noch mal drei Volksreden aus: „Wir sind die Guten“. Und kurz vor Schluss fühlte man sich im Herbst des Flüchtlings-Jahres 2015 unangenehm an Merkel-Deutschland gemahnt. Der böse Weißbart-Präsident Snow televisionierte seinen entsetzten Volksmassen zu: „Kommt alle her zu mir in den Park um mein Schloss, ich passe auf euch auf.“ Die Tore gingen auf, Snows eigene Luftwaffe schlachtete Kinder und Frauen ab. Dazwischen allerdings, so nicht erwartet, spürte der Film sein dunkles Herz in der Kanalisation unter der Großstadt auf, wo augenlose Urzeitaliens sich für einem Horrorschmaus und -schmarren aufgespart hatten. Schlussbilanz eines Jugendbuchverfilmungszyklus‘: Als ein frischer, etwas erdigerer Superstar wurde Jennifer Lawrence etabliert samt ihrer Flunschlippe. Den Rest dieses Bürgerkriegsgemäldes für Bogen schießende Girlscouts wollen wir dann den Hasen überlassen. Jetzt eine tolle Tasse korngeschüttelten Karo-Kaffees!

Terminator: Genisys
„Terminator: Genisys“ war einer dieser Filme, auf die man sich beim Trailer ständig schon freut und die beim Sehen schnell uninteressant und anschließend bald wieder vergessen werden. Tatsächlich enthielt er die Bilder seines Trailers: Terminator Arnold, der aus einem Hubschrauber springt und österreichert: „I’ll be back“, Schwarzenegger, wie er auf einen Typ losgeht, sofort Feuer aus allen Rohren eröffnet, worauf dieser sich, tot, neu zusammensetzt, Arnie, grinsend wie ein Kühlergrill. Vor allem aber die Szene, in der ein zwar

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