Übers Kino: Filme aus dem Jahr 2015 - Page 8

von Klaus Mattes
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diese einander anziehen zu lassen. Vom ersten Auftritt an sehr hypothetisch nur als ärmliche Schrottsammler-Waise vorstellbar ist die Rey der Londonerin Daisy Ridley. Ridleys ätherische Körperlichkeit und launische Mimik duftet nach Oberschicht und Public School. Eine künftige Hohepriesterin mit stark englischem Akzent. Diese Rey wird mit dem sehr dunklen, nicht gar so geistigen, dafür irgendwie volkstümlichen und recht fleischigen John Boyega (als Finn), ebenfalls aus London, aber Nigerianer, zuvor beim Boxerfilm eingesetzt, verbandelt. Bei Finn handelt es sich um einen fahnenflüchtigen Stormtrooper, einen Geflohenen der Dunklen Seite, der nicht mehr töten mag. Mit einem Raumklipper ist er in der Wüste verunglückt, hat sich in einem Beduinendorf rettende Tropfen Wasser verschafft, da sieht er, wie das stolze Mädchen von finsteren Gestalten ihres Droid-Roboters beraubt werden soll. Finn will Rey retten. Doch bevor er bei ihr ist, hat sie die Angreifer selbst mit dem Stock erledigt. Sie entdeckt Finn, herrscht ihn an: „Heh!“ Denn natürlich sind beide von der Macht zu Großem auserwählt, das spüren sie da schon. Er haut ab, schließlich hat Rey diesen Stock. Er flitzt zwischen einigen Zelten, schlägt ein Haken - und landet genau im Stock, dann zu ihren Füßen. Das ist hübsch. Eine der Szenen, in denen dieses Märchen sich um Humor bemüht. Ob man den ganzen Film deswegen sehen muss?

Teil H

Kinderfilme
Es kommt jetzt fast jeden Monat ein amerikanischer, computergenerierter 3-D-Animationsfilm ins Kino für sämtliche Generationen. Immer ist das dieselbe Geschichte: Kindliche Helden, die aber zumeist nicht einfach Kinder, sondern eher so Drachen, sprechende Autos, kleine gelbe Gackermännchen oder vielleicht auch Wikinger sind, kommen nicht zurecht mit den Standards ihrer Alterskameraden, werden daraufhin aus ihrer Heimat in eine Abenteuerwelt katapultiert, wo es immer mindestens eine halsbrecherische Achterbahnfahrt durch die Lüfte und direkt hinaus bis in den Zuschauerraum gibt, lernen wahnsinnig was fürs künftige Leben, vor allem, wie man mit anderen Außenseitern Freundschaft schließt, kommen gerade rechtzeitig heim, um den ultimativen Weltuntergang und also den Zerfall der Familie ungeschehen zu machen. Alles sehr bunt, sehr komisch und rührselig. (Eine - länger verstrichene - Zeitlang hatte es sogar sozialen Tiefgang unter seiner kindlichen Oberfläche.)

Arlo und Spot
„Arlo und Spot“ ist ein Film, an dem sich mehrere Drehbuchfassungen und Regisseure zerschlissen hatten, Jahre gingen ins Land, bis letztlich dieselbe alte Fabel, dieses Mal mit Dinosaurierkind, geboren war. Die neue Idee ist, dass die Dinos in der urwüchsigsten Gebirgsnatur der heutigen USA leben und also erforderlich war, das Dinosauriersterben vor sechzig Millionen Jahren, wegen einem Kometeneinschlag angeblich, auszuschalten. Anschließend sollen aber dann die Dinos, statt uns Menschen, die Leiter der Evolution erklommen haben und heute sein wie wir, während die Menschen, zumindest der eine kleine hier im Abenteuer, ihre vergnügt tollenden Hunde abgeben. Meisterhafte, unheimlich aufwändig hergestellte Naturbilder sind hier zu bewundern. Aber auch ein gerüttelt Maß der Blödheit. Unter allen Pflanzen kultivieren die Dinos ausgerechnet die biosphäreriskanten Maisbüschel und dann verhungern sie auch noch lieber, als von dem sonstigen Grün, das in ihren saftigen Bergen so rumsteht, auch nur ein Blatt oder eine Buchecker abzuknabbern!

Alles steht Kopf
„Arlo und Spot“ führt keine der Top-Listen fürs Jahr 2015 auf. „Alles steht Kopf“, die andere Produktion von Pixar und Disney, wird dagegen vielfach für den besten Film des Jahrgangs genommen. Na ja, doch, doch, das hätte er werden können, wenn er so gewesen wäre wie die Sequenz in seinem Werbe-Trailer. Am Abendbrottisch geraten Mama und Papa in Streit über die psychische Angeschlagenheit ihrer Tochter nach dem Umzug in eine fremde Großstadt. Wir Zuschauer blicken hierbei jeweils in die zerebralen Kommandostände der beiden Eltern hinein. Farblich fein unterschiedene Temperamente wie Angst oder Wut spielen an ihren Steuerknüppeln. Leider verlässt das Mädchen bald danach ihr Elternhaus und zugleich der ganze Film eigentlich ja das kleine Mädchen mit seinen innerlichen Schwierigkeiten. Denn jetzt sind wir die ganze Zeit in ihrem Kopf drinnen und dort hupfen ebenso bunte Temperamentsmännchen. Für die genretypische Exilanten-Abenteuerfahrt begeben diese sich in eine allegorische Professor-Freud-Landschaft hinein, wo man beispielsweise in Gräben der Depression abstürzen kann und nur wieder hochkommt, wenn alle farbigen Antagonisten ihre Zusammengehörigkeit und Freundschaft herausfinden. Freude und Trauer, keine der beiden Damen darf jetzt das Übergewicht erringen, sie müssen sich zum Team zusammenschließen. Das mag ja intelligent klingen, ist aber furchtbar kindisch: Kleine farbige Mädchen, wie sie aus einer Schlucht heraufkrabbeln, und wir sollen es toll finden!

Teil I

Gute Jungmenschen in wenig erfolgreichen Lichtspielen

Duff
„Duff“ ist ein Abkürzungswort („Designated Ugly Fat Friend“) und bezeichnet, was Teenager angeblich sowieso alle kennen, bloß nicht die zwar gar nicht hässliche oder auffällig dicke, allerdings völlig unglamouröse Identifikationsfigur dieser Mixtur aus Schulfilm, Zickenkrieg und Romantischer Komödie. Gewiss, das Sub-Genre hat intelligentere Werke bereits mal gesehen, so die kalifornisierte Jane-Austen-Romanvariation „Clueless“, 1995. Gute Unterhaltung ist allemal drin, wenn aus besten Freundinnen krallige Furien und Feindinnen werden, wobei dies, zumindest anfangs, noch nicht mal an der Eifersucht um den begehrten Boyfriend liegt. Die kleine, pummelige Bianca, bislang ohne Freund, hat gemerkt, dass ihre drei besten Freundinnen gar keine wahren Freundinnen sind, sie vielmehr schlau ausnutzen; beim Wettlauf um die tollsten Jungs an der Schule hat man bessere Chancen, wenn eine Trottel- oder Graue-Maus-Begleiterin jedem Betrachter vorführt, wie hoch man aus der Masse herausragt. Der beste Sportler der Schule, gerade des ewigen On-und-Off-Zustands seiner Verlobung mit der Schönsten dieser drei „Freudinnen“ überdrüssig, fängt aus Mitleid an, die Duff, Bianca also, einer Schulung zu unterziehen, wie Jungs ticken und wie man sie folglich manipulieren kann. Daraus erwächst dann ein Krieg zwischen der Attraktiveren und der „Zählkandidatin“, der quer durch die sozialen Netzwerke mit ganz unfeinen Tricks ausgefochten wird. Höchst herzerwärmend ist der Film, solange sein (unwahrscheinliches) Paar aus überattraktivem Buben und verkannter junger Frau das seltene Idyll einer weiblich-männlichen-Freundschaft ohne allen Sex und ohne Verpflichtung vormacht. Da ist als Zielpunkt der Handlung gar noch denkbar, die Duff, das hässliche Entlein, könnte sich als lesbischer Schwan entpuppen. Aber die Zeiten im amerikanischen Jugendfilm, die sind nicht mehr so. Diesen (natürlichen) Schluss mag man der heterosexuellen Mehrheit heute nicht mehr zumuten. Vielmehr, wie doch auch die Kämpferinnen in den Zyklen „Twilight“ und „Hunger Games“, muss Bianca am Ende in die gute alte

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