Moon as my witness

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von Giulia Strek
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Still spannte sich das blinkende Himmelszelt über die Erde. Wissend, beinahe wohlwollend, ruhten in schweigender Melodie die Sterne wie kleine Diamanten auf einem bestickten, dunkelblauen Seidentuch.
Der Hauch des Lebens, das Pulsieren des Herzens, waren deutlicher denn je zu spüren. Noch einmal durchatmen, noch einmal bewusst Leben bevor der Gezeitenstrom in seiner berauschenden Alltagsmelodie unterbrochen werden sollte.
Schwer spannten sich die Seile der Schaukel in die Vorrichtung und ein müdes Knirschen erklang, als die Füße sich in den Boden gruben. Betört legte der junge Mann den Kopf in den Nacken um, kurz den Atem anhaltend, sich im endlosen Firmament zu verlieren.
Das leise Zirpen der Grillen wurde von einem beständigen Trappeln kleiner Füße unterbrochen. Sie arbeiteten sich durch das mattschimmernde Gras, kleine Bewohner des Gartens stoben erschrocken und schillernd in das Nachtzelt hinein.
Eine zierliche Stimme erklang. Sie brachte Thomas dazu hinab zu blicken. Kurz berührte er seine Stirn mit einem Finger, als könne er damit den aufkeimenden Schwindel zum Schweigen bringen, ehe ein seichtes Lächeln seine Lippen umspielte.
"Wann wirst du denn wiederkommen, Daddy?" Kleine Finger legten sich um die große Männerhand.
Thomas lachte leise, dann strich er seiner Tochter durch das schimmernde Haar.
"Ich muss doch erstmal losfliegen, bevor ich wiederkommen kann."
"Aber du kommst doch wieder."
Hannah wirkte beinahe besorgt wie ein erwachsener Mensch. Schweigen legte sich über Vater und Tochter und die Antwort wurde von einer leisen Brise zu den Sternen getragen. Zart glitt die Handfläche über den kleinen Kopf, Lippen fanden sich väterlich auf der zarten Stirn wieder. Er konnte nicht antworten, diesmal nicht.
Ein stilles Einverständnis, ein Band zwischen Vater und Tochter.
Unruhe zog sich durch das Bild gemalt von Sternenwinden. Ein stiller Schatten zog sich durch die aufgeweckten blauen Augen, in denen sich das Sternenlicht spiegelte.
Müde fuhr sich Yvonne über die Stirn, während der Sommerwind ihre blonden Haarsträhnen griff und sie verspielt umherwarf. Das Glück, das Thomas an diesem Abend empfand konnte sie kaum nachvollziehen, sodass es mehr ein Akzeptieren als Verständnis war. Leise knackte das Holz als ihr zierlicher Körper sich an den Holzbalken lehnte und sie die Szene vor sich im Garten beobachtete.
Angst grub ihre Klauen in das Glück, das sie in diesem Augenblick nicht empfinden konnte.
Dennoch funkelte die pure Liebe in ihren Augen als ihre Liebsten sich näherten und ein leiser Kuss auf die Schläfe ihrer Tochter bestätigte ihre Angst, die sie um ihren Mann empfand.
Sorge und Unbehagen hüllte ihren Körper ein, kapselte ihn von der Außenwelt ab, sodass die Stille sich auf ihren Geist legte, als Thomas und Hannah leise plappernd wieder im Haus verschwanden.
Yvonne senkte seufzend das Kinn auf die Brust, verschränkte die Arme und schüttelte leicht den Kopf.
"Daddy, bringst du mir eine Blume mit?"
"Vom Mond?"
"Ja, oder fliegst du zum Mars."
"Nein, nein...ich bringe dir eine Blume mit."
Ein leiser Hall, ein Hauch einer Erinnerung, die ewig in ihrem Kopf bleiben wird.

Filigrane Schattenspiele glitten über die weiße Bettdecke. Silber ergoss sich das Mondlicht über die Hände, die sich festhielten, als würden sie sonst den Halt verlieren.
Leises Rauschen erfüllte die Stille der ruhenden Nacht, wirbelnd zog der Wind durch das halb geöffnete Fenster, griff nach den Vorhängen und spielte zart, umschmeichelnd, mit ihnen.
Funkelnnde blaue Augen, die vom Schatten der Nacht umhüllt wurden, fixierten einen undefinierbaren Fleck an der Decke. Ruhelos wälzten sich Gedanken durch ihren Kopf, der auf einem weichen Kissen in den Armen ihres Mannes ruhte.
Yvonne wusste nicht, was sie tun sollte. Die heilvolle Angst strafte ihrer aufkeimenden Zuversicht Lügen, das Bewusstsein griff nach der einsamen Realität und jeder Versuch alles mit einem lapidaren Winken der Hand abzutun, scheiterte schon an dem Umstand, dass ihr Körper wie gelähmt erschien.
Sie konnte nicht schlafen, denn schlafen bedeutete Frieden, den sie nicht hatte; nicht finden konnte.
Kalt gruben sich ihre Fingerspitzen in den gebräunten Arm ihres Mannes. Selbst als dessen Schlaf bereits begonnen hatte, konnte kein Fingerstreich, kein Mantra ihre eigene Seele zum Innehalten bringen.

Der weiße Dunst der Nacht zog sich verwaschen den Horizont entlang. Es wirkt wie eine weiße Grenze oder eine Halluzination, die nicht greifbar war. Nahtlos glitt der blaue Himmel in seinen dunkler werdenden Facetten hinauf, sodass Thomas schwindlig wurde, als er den Kopf komplett in den Nacken gelegt hatte.
Seine dunklen Haare waren von der Sommersonne ausgebleicht und die Spitzen tanzten leicht in der seichten Brise.
Der letzte Start war 3 Jahre her, sodass der scharfkantig Anblick des Shuttles ihn immer wieder zum Staunen brachte.
Die „Star of Bethlehem“ wurde nach dem Vorbild der Space Shuttles gebaut. Obgleich diese Baureihe als überholt galt, konnte die ESA mit einer optimierten Bauweise gute Erfolge verzeichnen.
Wogend erhob sich der Jubel gen Himmel, weitete sich wie eine kleine Schallwelle aus und versagte im monotonen Brummen des anrollenden Busses.
Es gab keine Möglichkeit die Angst im Abschied zu überblenden; keinen Schimmer, der es schaffte funkelnde Tränen zu überstrahlen.
Und doch zog das Seil der Verpflichtung an den vier Männern, die schwitzend in ihren Raumanzügen steckten. Letzte, ehrliche Blicke gen Familie, dann stahl sich, gleich einer Programmierung, die Zuversicht in ihre Augen, als jene die Kameras erblickten.
Verwandte, Bekannte, all jene, denen es wichtig war, standen im großen Abstand zur Startrampe auf dem Platz unter der strahlenden Sonne.
Futuristisch mutete das Konstrukt in der Ferne an.
Thomas drückte sich die Nase an der Scheibe des Busses ein. Je näher er kam, desto heftiger schien sein Herz in der Brust zu schlagen. Mühevoll versuchten seine dunklen Augen zu verstehen, was sie dort sahen, doch die Gewaltigkeit und Erhabenheit dieser geballten Technik berührte nur einen Quantensprung lang sein Bewusstsein.
Grell brach sich das Licht der Sonnenstrahlen am weißen Lack der Karosserie, als sie zum Stehen kam. Ein paar Techniker, nicht minder aufgeregt und nervös, huschten schattengleich zwischen den vier Männern herum und man konnte nicht genau sagen, ob sie grad mit der Person am anderen Ende der Leitung sprachen oder mit den Astronauten selbst.
Blechernd durchdrang die Stimme das Brummen und Rumoren. Die Geräuschkulisse glich einem klaren Brei, der sich als zweite Hülle um das Shuttle legte und diese Szenerie von dem Rest der Welt abtrennte.
Wir sind hier...ihr seid dort drüben...

Es fehlte nur noch der Willkommen-Zurück-Banner, als Thomas sich beinahe den behelmten Kopf an

©Giulia Strek/ 2012

Zweiter Teil "Moon as my Witness II"

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Kommentare

13. Jan 2015

Du hast mich verzaubert mit diesem traurig stimmenden Traum.

13. Jan 2015

Liebe *noé*,

das freut mich sehr und ich hoffe, Du findest in jenem Traum auch die Hoffnung :-)

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