Schmetterling der Zeit

von Das Gastprofil
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Es war einmal vor langer Zeit in einem fremden Land ,ein kleiner Schmetterling. Tage waren Jahre, Minuten Monate, und Sekunden Tage seines Lebens.
Er versteckte sich unter den Blättern einer kleinen Birke wenn es regnete, bewunderte im Sonnenlicht den Flug der Libellen an einem Teich., und umflog zu gern verliebte Paare um den Duft der Liebe einzuatmen, der süßer und stärker als jede Blume roch
Der kleine Schmetterling genoss sein Leben, und dachte niemals über die Zukunft nach. Unbedacht und fröhlich genoss er sein Leben wenn er über saftige grüne Wiesen flog, auf bunten Blumen schlief., und Zeit mit anderen Schmetterlingen verbrachte.
Alles war gut auf der kleinen Wiese am Teich..

Eines Nachts wachte der kleine Schmetterling auf, und betrachte den Sterne. Verträumt blickte er in den Himmel, und wünschte sich mit ganzer Kraft für einen Tag in seinem Leben ein Mensch zu sein. Fühlen was ein Mensch fühlt, denken was ein Mensch denkt, Worte finden die nur ein Mensch finden kann, lieben wie nur ein Mensch lieben kann..
Eine kleine Sternschnuppe fiel unbeachtet vom Himmel.

Als am nächsten Tag die Sonne über der Wiese am Teich aufging, spürte der kleine Schmetterling das sich etwas verändert hatte. Er machte sich auf zu dem kleinen Teich, und sein Spiegelbild zeigte ein verändertes Bild. Weiche Haare umrahmten ein Gesicht mit großen Augen, und ein Lächeln legte sich auf das Gesicht des Schmetterlings. “Ist es wahr, bin ich wirklich ein Mensch?” Anmutig wie es nur ein Schmetterling kann, drehte sie sich im Kreis, und bekam nicht genug von diesem neuen Anblick. Das Kleid das er nun als Frau trug legte sich weich um den Körper. Vorsichtig setzte sie Fuß vor Fuß, und fühlte zum ersten Mal wie es ist zu laufen anstatt zu fliegen. Menschen die ihr entgegenkamen blickten verwundert auf die fremd wirkende Frau die anders zu sein schien, doch das war dem kleinen Schmetterling egal.
Die Sonne schien heiß am Himmel, und der kleine Schmetterling ignorierte den Lauf der Zeit. Allein und verträumt lag sie im weichen Gras, und bemerkte nicht, das sie beobachtet wurde.
Erst als sich ein Schatten über ihr Gesicht legte, sah sie den Mann der neben ihr stand. Sie blickte ihn an, er blickte sich um, und der Himmel weinte, als der Mann mit dem kleinen Schmetterling fertig war.
“Fühlt sich so die Liebe an? Hart und kalt?.” dachte der kleine Schmetterling als er die blauen Flecken und die Spuren an seinem Körper betrachtete, und auf der Seele spürte.
Tränen standen in ihren Augen als sie zum Himmel blickte, und dort den Tanz der Schmetterlinge sah. Kein Schrei drang über ihre Lippen, und kein Mensch beachtete die zusammengekauerte Gestalt auf Wiese. Es vergingen Stunden und der Geruch der an ihrem Körper klebte verursachte dem Schmetterling Übelkeit. Beschämt in einem fremden Körper der nur schmerzte, kroch der Schmetterling zu dem Teich, und streifte das Kleid vom Körper. Kälte umfing ihn als er in das dunkle Wasser eintauchte, doch der Versuch die letzten Stunden zu vergessen, wollte einfach nicht gelingen. Langsam ging die Sonne unter an dem kleinen Teich, und der Mond leuchtete mit einem matten Schein auf das stille Wasser. Der kleine Schmetterling schaute in sein Spiegelbild, doch nichts schien sich verändert zu haben. Große Augen in einem schönen Gesicht, eingerahmt von weichem Haar., und niemand hörte das leise zerbersten einer Seele.
Ganz allein formten sich die Worte als der Schmetterling mit seiner Stimme sprach:
Ich flog hoch, direkt zum Sonnenschein,
Wollte nichts mehr in dieser Welt
Als für einen Tag ein Mensch zu sein,
Doch träumte ich von einem anderen Leben
Wo Menschen einander Menschlichkeit geben..

Glühwürmchen umschwirrten den kleinen Schmetterling als er sich erhob, und ein letztes Mal auf dieser Welt tanzte. Aus Armen wurden Flügel, und so verlor er langsam die Erinnerung an das Mensch sein...

Urheber: Antje Schridde