Leseprobe: aus Die Wagehälse und die geheimnisvolle Felsenhöhle

von Pawel Markiewicz
Mitglied

Nurzec. Freitag. Den 15 August 2014

Der 15. August 2014 war ein Feiertag in ganz Polen. Trotz alledem wollten
Pawel und Kamila die Oma derer namens Tekla besuchen. Tekla wohnte in einer
kleinen Hütte, die von gemischten Wäldern, meist Kiefernwäldern, umgeben war. Ihr
Heimatsort befand sich inmitten eines Urwaldes. Viele Menschen sammelten dort
Pilze und Beeren, manchmal jagten Ältere auf ein Wolfsrudel sowie Füchse oder
Rehe. Ein Wild schmeckte auch der Oma Kamilas. Kamilas Oma mochte auch die
Pilze suchen und sammeln. Trotz eines Hausalters schien die Hütte von Tekla schön
und gepflegt zu sein. Außenwände waren gelb gestrichen, Fenster waren nicht so klein
und eine Tür war aus einem edlen Eichenholz. In ihren drei Zimmern fühlte sich diese
Frau gut, obwohl sie achtzig Jahre alt war. Auch erfreute sie sich einer guten
Gesundheit ungeachtet ihres Alters.

Pawel und Kamila klopften an die Tür, sobald sie einen Ort erreichten.
Niemand war drinnen da. Kamila vermutete, dass Tekla immer die Pilze suchte, was
zu ihren Lieblingstätigkeiten gehörte. Die beiden harrten noch zwei Stunden, bis die
Oma Kamilas, Frau Tekla Borniczuk, angekommen war. Sie hatte mit sich ein
Körbchen voller Pilze, worauf sie einfach stolz war. Tekla lud die beiden zu einem
Verweilen in ihrem Haus ein. Kamila hatte damals das Tagebuch in einer Tasche aus
einem Rehleder, die sie auf einem Weihnachtsmarkt in Bialystok vor einem Jahr
erwarb. Die Frau holte dies Buch aus der Tasche heraus. Die Oma war ganz und gar
daran interessiert, woher Kamila das schöne Buch mit einem grünen Umschlag hatte.
Sie fragte auf Anhieb:
»Ist das alt? Sag mir die Wahrheit, ohne durch die Blume zu sagen«, bat Tekla Kamila.
»Ja sehr alt. Das Buch wurde 1916 fertig geschrieben.« Kamila prahlte damit.
»Was wollt ihr von mir?« Die Oma war neugierig.
»Sie können das Buch aus dem Russischen ins Polnische übersetzen. Vermögen Sie
dies zu tun?«, fragte Pawel eine ältere Dame, nach einer Weile hinzufügend: »Kamila
versicherte mir, dass Sie es verstehen, dies zu tun, zumal Sie eine Belarussin von einer
Herkunft sind.«
»Ja richtig. Aber ich habe vorher eine Frage, bevor ich daran zu arbeiten beginne.
Woher haben sie was Schönes, ein wohl kostspieliges Ding?«
»Das ist eine lange Geschichte«, versuchte Kamila zu erzählen. »Wir gruben dies. Das
Buch war unter der Erde in Bielsk Podlaski versteckt. Dies versteckte die Uroma
Teofila. Sie hütete dieses Geheimnis. Wir haben nach den Jahren diesen Gegenstand
einfach in der Erde nebst einem Brunnen gefunden.«
»Und wer ist Autor?«, fragte die Oma.
»Das scheint wunderbar zu sein, aber die Zarentochter Olga Romanow.« Kamila hob
ihre Äußerung hervor.
»Super. Das konnte interessant sein. Ich glaube euch. Ich werde das Tagebuch
übersetzen. Das wird einige Tage dauern. Ihr müsst warten. Seid einfach beharrlich.«
Pawel und Kamila gaben der Oma Kamilas eine Zeit bis zum nächsten Montag.
Nachdem sie von der alten Frau verabschiedet hatten, gingen sie ab. Sie verließen den
kleinen Ort, indem sie mit einem Omnibus nach Bielsk Podlaski fuhren. Kamila war
immer auf einen Inhalt neugierig, sodass sie am demselben Abend ihre Oma anrief.
Die alte Frau wollte mit niemandem telefonieren, denn sie arbeitete tüchtig an der
Übersetzung. Sie war damit erst am Montag früh fertig. Das Tagebuch umfasste nur
zwanzig Seiten, was siebzehn Tagen im Mai 1916 entsprach. Am Ende des Buches
befand sich das Interessanteste, nämlich eine kurze Wegbeschreibung zu einer
geheimnisvollen Felsenhöhle. In einem Herz derer soll eine Apollostatue sein. Diese
kurze Beschreibung endete mit dem Satz: »In einem Herz der Höhle steht der Gott der
Dichtung aus Gold, mit einem diamantenen Kopf und Rubinaugen.« Dies war eben ein
Wegweiser zu einem Schatz, der in der geheimnisvollen Höhle versteckt wurde.
Ferner befand sich, in diesem Buch, ein kurzes Rätsel, eine Stellung der Höhle
betreffend: »Eine Kehle liegt südwärts zweihundert Meter von einer großen
Wegbeugung auf einem Weg zu Brocken im Harzgebirge.« Mit der Kehle war ein
Eingang zur Höhle gemeint, was sofort in den Sinn Teklas kam.

friedselige Fr. Tekla war so in Haine verliebt, als ob sie eine Waldnixe wäre. Das Bildnis kam von meiner Tante, Barbara

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