Hat noch keinen Titel

von Olga Drocjuk
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Dieses Gedicht hat keinen Titel. Noch nicht.
Es ist schwer, ihn bei so vielen Gedanken, die nach einer Sehnsucht suchen, zu finden.
Der Titel wird gesucht⚘⚘⚘
.....

Wie liebe ich deine große Welt, mit meiner, kleinen!
Wie höre ich deine weiten Schritte, die Welt erobernd.
Die Grashalme, unter ihnen brechend,
Die Steine, mit deinen Schuhsohlen sprechend.
Wie atme ich mit deinen Lungen, deine Nüstern weit gebläht,
Die grandiose Stille,
Die ferne Weite, die dich umarmt und sich hinter deinen Stiefeln neblig legt, bevor sie der Wind zur Seite fegt.
Wie denke ich die Gedanken, die hinter dir wie Blätter wirbeln.
Wie atme ich den Duft der fallenden Nadeln ein,
Zerbröselndes Aroma zwischen deinen Fingern, das sich so magisch in Gedichte ringelt.
Wie folge ich deinem Herzschlag, eines zeitlosen Wanderers,
Des Bergsteigers, des Regensuchenden.
Wie sehe ich dein müdes Lächeln, das deine Zunge sanft umleckt, die süßen Regentropfen von seiner Röte trinkend,
In jedem einzelnen von ihnen mit der ganzen Kraft eintaucht,
Dem Durst des Lebens Hymnen singend.
Wie tauche ich mit einem Adlerschrei in den Horizont ein,
Wie schwebe ich auf seinen starken Flügeln ins Abendrot, nach Blitzen und Rumoren suchend,
Und gehe mit voller Wucht durch deine Adern,
Wenn du am Rande eines hohen Berges stehst und tief in den Abgrund blickst,
Wie du gedanklich einen Lauf nimmst, die Luft einatmest, dich mit deinem letzten Atemzug
abstößt,
Und fliegst,
Weit deine Flügel breitend,
Zum Horizont,
Zur Sehnsucht,
In die Bucht der Freiheit, die du schon lange suchst ...

Wie liebe ich deine große Welt, mit meiner, kleinen.
Wie träume ich bei einem warmen Kerzenlicht,
Allein, in die stille Nacht hinein,
Die müden Schweißtropfen des Alltags mit seinen Sorgen von meiner Stirn wegstreichelnd,
Das Kinn auf die Hände stützend,
Und mit der Gedanken auf den Lippen in das Morgen schweigend,
Den Stern dort oben ganz lange beobachtend, den du vielleicht jetzt auch siehst,
Und warten, bis die Kerze erlischt.
Und beten:
„Gott schütze ihn!“
... für mich ...

© Olga Drocjuk

Veröffentlicht / Quelle: 
Fassebok
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Interne Verweise

Kommentare

06. Okt 2018

"Die kleine und die große Welt" (?)
(Frau Krause meint, dass das gefällt!)

LG Axel

06. Okt 2018

Wie du
- für mich -
einzig möglicher Titel
des Gedichts...
das so wunderbar
von deinem Sehnen spricht!

LG Yvonne

06. Okt 2018

Liebe Yvonne. Ein großen Dank Dir, dass Du Zeit genommen hast und dir Gedanken gemacht hast. FÜR MICH. Wunderbar⚘⚘⚘⚘

07. Okt 2018

Episch und schön.
Ob wir wissen oder ahnen, ob es unsere letzte Kerze war, wenn sie langsam niederbrennt?
LG

08. Okt 2018

Lieber Uwe! Wirklich nachdenklich, was du schreibst. Die letzte Kerze. Ja, das könnte der Titel sein. Wunderbar. Ich danke dir ⚘
LG Olga