Das Grab der Pharaonin

von Patrick Toleriane
Mitglied

1. Kapitel

Die Sonne hing lächelnd am wolkenlosen Himmel, während Herr Schnusi, der Waschbär, in seinem Schaukelstuhl auf der Veranda saß. Viele warme Sonnenstrahlen kitzelten seinen Pelz. Genüsslich schloss er die Augen und horchte nach den Gedanken der Welt. Seine eigenen schlummerten friedlich in den Ecken seines Kopfes. Er ergriff den hölzernen Griff seiner Pfeife, goß vorsichtig seifige Flüssigkeit hinein und blies bunte Seifenblasen in die Luft. Gewärmt von der Sonne reiste er in das phantastische Land der Träume und wurde je von fröhlichem Rufen aus dem Schlaf gerissen. „Guckt mal“, „Herr Schnusi ist da!“ gelangte an sein Ohr, verwundert rieb sich Herr Schnusi den Schlaf aus den Augen. Schon sah er eine wilde Horde auf ihn zu stürmen, von fröhlichem Gelächter begleitet. „Ich bin Erster“, rief Lukas, ein kleiner, gelber Tiger mit lustigen blauen Augen. „Das denkst du“, schnatterte Emma, der bunteste Papagei, den die Welt je gesehen hatte.

Herr Schnusi schmunzelte. Ein ruhiger Tag wird das nicht mehr werden, dachte er bei sich und war darüber doch ein wenig froh. „Herr Schnusi, Herr Schnusi heute war sooooo ein toller Tag“, begann Emma zu erzählen. Lukas stimmte ihr lauthals zu, ebenso Max, der lustige Affe, der schmatzend eine riesige Banane aß. Nur Frederik sah traurig aus, er hatte die Augen zusammen gekniffen, die Wangen waren weit nach oben gezogen. „Was ist denn passiert?“ fragte Herr Schnusi betroffen und betrachtete den kleinen, grauen Elefanten besorgt. „Ach, wissen Sie, …. eigentlich ist gar nichts ….“ brachte Frederik leise heraus und wurde durch Emmas Geschnatter unterbrochen: „Freddy ist heute wieder zum Federball spielen als Letzter gewählt worden, im Sport. Freddy kann das nicht so gut, wissen sie …..“. „Du bist doof, Emma, sei ruhig“ blaffte Frederik dazwischen.

„Wisst ihr“, beruhigte Herr Schnusi die beiden Zankäpfel, „früher als ich noch ein junger Waschbär war, ist einem Freund von mir auch mal so etwas passiert.“ Frederik sah ihn erstaunt an und setzte sich auf sein Hinterteil. Auch Max blickte neugierig von seiner Banane auf. Er hatte es sich auf der Lehne des Schaukelstuhls bequem gemacht und hielt sich geschickt mit seinem Schwanz fest. Lukas Tigerkörper lag in der Sonne, er stützte seinen Kopf auf seine weichen Tatzen. Emma saß zwischen ihm und Frederik auf der Wiese und sie alle wussten, dass jetzt eins von Herr Schnusis tollen Abenteuern folgen würde.

 

2. Kapitel

Düsseldorf, 1980. Herr Schnusi saß im schummrigen Schein seiner Schreibtischlampe und studierte den Brief. Auf den ersten Blick konnte er nichts auffälliges finden, geheimnisvoll war er trotzdem. Ein normaler Umschlag, mit etwas gelblichen Rändern, als habe er längere Zeit in einer Schublade gelegen. Eine handschriftliche Notiz in kleinen korrekten Druckbuchstaben geschrieben. Er wendete den Umschlag. Auf der Rückseite war deutlich lesbar sein Name geschrieben. Dieser Brief war sicher für ihn. Doch Herr Schnusi konnte nicht viel damit anfangen. Erst recht nicht mit dem Inhalt dieses geheimnisvollen Briefes.

Einige Stunden zuvor war Herr Schnusi unterwegs gewesen, dies und das einkaufen, in dieses und jenes Geschäft reinschauen. Er hatte jetzt alles gefunden, erholte sich daher in einem Cafe am Rhein bei seiner liebsten Schokolade. Es war ein schöner sonniger Tag an dem einige Schiffe auf dem Rhein an ihm vorbei zogen. Ganz erschöpft vom dem Einkaufsbummel saß er an seinem Tisch und betrachtete seine Beute als er plötzlich aufblickte. Ein langer Mantel mit ausschweifender Kopfbedeckung glitt an ihm vorüber, am Gang erkannte er, dass dieser Mantel eine Frau bekleidete. Herr Schnusi dachte sich nichts weiter dabei, reckte und streckte sich, um die seine Glieder zu lockern.

„Die Frau im Mantel“, entfuhr es Herr Schnusi. „Sie muss es gewesen sein.“ Er erinnerte sich an diese kurze Begegnung. Wenn er früher gewußt hätte, dass sie ihm diesen Brief in seine Tasche gesteckt hatte …. Doch gerade erst war es ihm wieder eingefallen. „Die unbekannte Frau“, murmelte Schnusi. Aber warum hatte sie gerade ihm diesen Brief gegeben? Und woher wusste sie das alles über ihn? Wie der Brief es beschrieben hatte, war er hoch auf den Dachboden des großen Hauses gegangen, in dem Herr Schnusi lebte. Nachdem er vorsichtig das lange Holzbrett auf der linken Seiten gelöst hatte, er brauchte dazu etwas Zeit und ein Brecheisen, legte er es neben sich auf den Boden. Neugierig hielt er die Taschenlampe neben seinen Kopf, den Strahl in das schwarze Loch gerichtet. Er schwenkte umher, konnte nichts entdecken und wollte schon enttäuscht aufgeben, als ihm plötzlich etwas ins Auge fiel und er den Lichtstrahl stoppte. Was war das? Er legte die Taschenlampe zur Seite, versuchte mit dem linken Arm an dieses Etwas zu gelangen. Mit aller Mühe ertastet er den Gegenstand, der sich wie Filz anfühlte. Mit mehr Mühe konnte er ihn zu sicher rüber schieben und aus dem schwarzen Loch heraus holen.

Woher hatte die Frau gewusst, dass ein toller Archäologen-Hut oben auf dem Dachboden in hinter einem Holzbrett versteckt war? Der Hut passte ihm wie angegossen, er hatte ihn direkt aufgesetzt, besonders, da es ein Hut seines Vaters war, Papa Schnu. Ob die Frau Papa Schnu gekannt hatte? Vielleicht konnte sie ihm etwas zu seinem Verschwinden erzählen? Dazu müsste er nur …, Herr Schnusi hielt inne. Dazu müsste er erstmal herausfinden wer diese Frau war. Doch das war erstmal nebensächlich. Wichtiger war, dass der Brief recht hatte. In ihm stand, dass er möglichst sofort nach Mausepotamien fliegen solle, mit dem Hut, genügend Geld läge in dem Umschlag. Herr Schnusi hatte nach gesehen und es stimmte. Genügend Geld war da. Die Scheine lagen verlockend in seiner Hand, doch Herr Schnusi überlegte.

 

 

3. Kapitel

Um sich vor der grellen Sonne zu schützen, zog der kleine Waschbär die Krempe seines Hutes tief in sein felliges Gesicht. Er sah sich um, ein Getöse fremder und unbekannter Wörter umgab ihn. Es war furchtbar warm, Herr Schnusi schwitzte noch mehr in seinem flauschigen Fell. Im Winter war es gut es zu haben, aber im Sommer, und dann noch in Mausepotamien. Richtig, Herr Schnusi war wirklich nach Mausepotamien geflogen. Neugier und Entschlossenheit hatten seine Sorgen und Befürchtungen nieder ringen können. So stand er jetzt hier, schwitzend und erschöpft vom langen Flug, aber ebenso neugierig und aufgeregt. Noch wusste er nicht, was ihn erwartet, aber das sollte sich schnell ändern.

Aufregend war das sicher nicht. Den ganzen Tag am Flughafen stehen zu müssen, um Ausschau zu halten nach einem felligen Wesen mit Hut. Da hätte sie auch die Murmel im Schokopudding suchen können. Das wäre leckerer gewesen. Doch so saß sie nun hier, Felicitas Cat, aufstrebenden Agentin des Pharaos. Als Zweitbeste im streng geheimen Geheimdienstauswahlverfahren, war sie unter dem Namen „Tasse“ in den Geheimdienst von Mausepotamien gekommen. Selten hatte sie sich mehr gefreut und hatte die Abenteuer, die sie erleben sollte, schon vor Augen. Doch jetzt hatte sie die Aufgabe Ausschau zu halten. Na gut, wenn es sein musste, dachte sie bei sich und wagte einen Blick in die Menge. Zunächst fiel ihr nichts ins Auge, doch plötzlich wurden ihre Blicke wie von Magneten angezogen und ihre Augen leuchteten.

Herr Schnusi bekam von alledem nichts mit, er hatte Mühe seinen Namen auf den Schilder der Fahrer und Hotelangestellten zu finden, die auf Gäste am Flughafen warteten. Er musste wohl sehr verwirrt ausgehen haben, denn ein junger Mann in Hoteluniform trat zu ihm „Herr Schnusi?“ Der Angesprochene nickt und folgte dem jungen Mann, der sich einen Weg durch die Menge bahnte. „Hatten Sie einen guten Flug?“ „Gut, gut, nur sehr lang.“ antwortete Herr Schnusi. Überall gab es buntes und neues zu sehen, Gerüche von unbekannten Gewürzen beherrschten die Luft. Herr Schnusi begann sich in der fremden Umgebung wohl zu fühlen. „Sie müssen in meinem Alter sein, oder?“ fragte er den jungen Mann. Der Mann bejahte das. Erfreut über diesen Zufall entstand ein ausführliches Gespräch über Tretboot fahren auf dem Rhein und Kamelrennen in der Wüste Mausepotamiens. Schwer ins Gespräch vertieft, bemerkten sie nicht den dunklen Roller, der ihnen in einem vorsichtigen Abstand folgte.

Sein Gepäck landete auf dem Bett, seinen Hut legte er auf dem bequemen Sessel in seinem Zimmer ab. Wenn er schon unterwegs war, konnte er sich auch ein ansehnliches Zimmer leisten in einem Hotel von wo aus er auf das blauen Meer und den weiten Horizont sehen konnte. Herr Schnusi hatte den ganzen Tag auf eine schöne Dusche gewartet unter der er nachdenken konnte, wie es denn weiter gehen solle. Er hatte schließlich noch keinen Schimmer, warum er überhaupt in Mausepotamien war. „Ach, zur Not geh ich Pablo die Stadt erkunden“, dachte er während er sich unter die Dusche stellte. Pablo war der junge Mann mit der sich so gut verstanden hatte. Das Wasser prasselt auf seinen Kopf, sodass Herr Schnusi nicht hörte, wie die Türe zu seinem Zimmer geöffnet wurde.

Mit seinem Handtuch rieb er sich den Kopf ab als ihm die Frau in dem Sessel auffiel, die seinen Archäologen-Hut in der Hand hielt und begutachtete. Erschrocken ließ er das Handtuch zu Boden fallen. „Gestatten, meine Name ist Felicitas Cat“, sagte das wunderschöne Wesen und erhob sich galant aus dem Sessel, „Geheimagentin im Dienste des Pharaos!“ Herr Schnusi war baff. Eine Geheimagentin. Eine richtige Geheimagentin. Und dazu noch so eine hübsche. „Ja, ähmm, schön, ich ähh“, brachte er stotternd heraus. „Sie sind Herr Schnusi, aus Düsseldorf. Und sie sind der Mann, den Pharao Tut-Ench-Maus sehen möchte.“, erklärte Felicitas. „Mich?????“ Jetzt war Herr Schnusi noch etwas baffer. Ihn? Warum ihn? Ob das was mit dem Brief zu tun hatte, der er erhalten hatte? „Das wird ihnen der Pharao sicher erklären. Ich habe nur den Auftrag sie zu ihm zu bringen. Sicher!“ Während Felicitas das sagte, hatte sie Herr Schnusi unauffällig betrachtet. Es gibt schlimmere Aufträge, dachte sie bei sich selbst und Herr Schnusi hoffte, dass der Weg zum Pharao etwas länger dauern würde.

 

4. Kapitel

Über glänzte und blinkte es. Herr Schnusi kam aus dem Stauen nicht mehr heraus, soviel Gold hatte er noch nie gesehen. Er hat mit Felicitas die große Eingangshalle durchquert, nachdem sie ihren Geheimdienstausweiß den bewaffneten Katerwachen am Eingangstor gezeigt hatte. Immer mal wieder hatte Herr Schnusi nach ihr umgesehen, denn sie glitt eher als das sie ging. Außerdem fühlte er sich sicherer mit ihr an seiner Seite. Die ganze Situation macht ihn doch etwas mulmig. Durch die Eingangshalle waren sie direkt in den Thronsaal gekommen. Dort war alles voller Käse: kreisrunde, vergoldete Käselaiber bildeten eine Gasse direkt auf den Thron zu. Hinter den Laiber lag Käse in Hülle und Fülle an denen sich kleine süße Mäuse und Mäuseriche labten. Herr Schnusi freute sich darüber, dass Mäuse und Katzen friedlich nebeneinander leben konnten.

Nach 237 Schritten, Herr Schnusi hatte die Angewohnheit mitzuzählen, wenn er nervös war, erreichten sie den Thron. Auf dem Thron saß eine Maus mit hellbraunen Fell und einer Krone, die wie ein Stück Camenbert aussah. Er sah die beiden, biss nochmal kräftig in das gelbe Stück Käse in seiner Hand. „Ahhh, gut, dass ihr da seid“, sagte der Pharao während er weiter Käse mampfte. „Ist das dieser Waschbär mit dem Hut?“ Felicitas nickte. Still stand Herr Schnusi daneben, merkte aber, dass der Pharao doch ein feiner Kerl zu sein schien. „Dürfte ich eine Frage …?“, begann Herr Schnusi. „Du darfst erstmal gar nichts!“ blaffte der Pharao dazwischen. Ein ganz so feiner Kerl war der Herr Pharao wohl doch nicht. „Tut-Ench-Maus, das bin ich“, dabei wies er auf sich selbst, „er bestimmt, wer redet und wer nicht.“ „Ja, na gut, wenn sie das sagen, Herr Pharao Tut-Ench-Maus.“, antwortete Herr Schnusi. „Gut, dann ist das geklärt. Du darfst jetzt fragen.“ Herr Schnus war ein wenig verwirrt über den Pharao. Das muss man wohl so machen, wenn man der große Chef im Land ist, dachte er bei sich. „Ja, ähmm, ich wollte eigentlich nur wissen, warum ich hier bin? Also ich bin etwas verwirrt, wissen sie Herr Pharao Tut-Ench-Maus. Wissen sie, ich hab hier nämlich einen Brief bekommen“, er fischte den Brief aus seiner Westentasche, „und da stand drin, dass ich hierher kommen soll.“ „Einen Brief? Das ist ja interessant.“ Felicitas sah zwischen den Beiden hin und her und wusste gar nicht wovon die Beiden sprachen. Der Pharao erklärte Herr Schnusi dann, dass er selber auch einen Brief bekommen habe. Von wem, wusste der Pharao nicht und sein Geheimdienst konnte es bis jetzt auch nicht heraus bekommen.

„Dies war in dem Brief und dazu eine Notiz mit der Schreibmaschine getippt.“ Tut-Ench-Maus reichte Herr Schnusi eine alte Karte, die an den Rändern schon etwas vergilbt war. „Bald kommt ein felliges Wesen mit Hut nach Mausepotamien. Er wird wissen, wie die Karte zu deuten ist.“ las der Pharao vor. „Wissen wie, was zu tun ist?“ Herr Schnusi sah sich die Karte sehr genau an, Felicitas guckte ihm neugierig über die Schulter. Das sah wie eine Karte von Mausepotamien aus, Herr Schnusi hatte die Reiseführer im Flugzeug gelesen. Was war das in der Ecke? Ein kleines Kreuz? War das etwas? „Ist das etwa eine Schatzkarte?“ fragte Herr Schnusi. „Ich sehe das so und mein Geheimdienst auch. Doch bis jetzt können wir nichts näheres erfahren. Daher wende ich mich jetzt an sie. Können sie den Schatz finden?“ „Ich will es versuchen!“ Herr Schnusi war vom Abenteuerfieber gepackt. „Gut, darauf habe ich gehofft“, erklärte der Pharao. „Miss Cat, sie werden unserem Gast behilflich sein. Geben sie ihm alles was er braucht.“ Felicitas Cat nickte.

Damit hatte Herr Schnusi niemals gerechnet. Er war nach Mausepotamien aufgebrochen und jetzt sollte er einen Schatz suchen. Felicitas sollte ihm helfen. Das war aufregend. Ob er das schaffen würde? Als Herr Schnusi gegangen war, rieb sich der Pharao vergnügt die Hände. Er hoffte natürlich, dass er den Schatz finden würde. Davon würde der Pharao sich noch mehr Käse kaufen. Es gab in Frankreich einen berühmten Blauschimmelkäse, den er unbedingt probieren wollte. Von alle dem wusste Herr Schnusi nichts. Auch nicht von dem, was noch kommen sollte.

 

5. Kapitel

Er spürte den Tropfen Schweiß seine Haare hinab fließen, sah wie er an seinem Augen vorbei flog und auf die Karte platschte. Der Tropfen hinterließ einen kreisrunden Fleck auf der Karte. Das war aber egal, denn bis jetzt hatte die Karte nichts, aber auch gar nichts, gebracht. Obwohl ein Kreuz den Ort markierte, konnte Herr Schnusi und Felicitas Cat bislang nichts von einem Schatz entdecken. Erst waren sie in die Wüste heraus gefahren, der Kompassnadel folgend, Richtung Süden. Der Jeep trug sie immer tiefer in die Wüste bis selbst seine größte Kraftanstrengung nicht mehr helfen konnte durch den weiten, heißen Sand zu kommen. Von da an waren sie durch die Wüste gestampft, wie lange konnte keiner von beiden mehr sagen. Ihre letzten Wasserreserven hingen ihnen über die Schulter.

Herr Schnusi wischte sich den Schweiß von der Stirn und betrachtete nochmal die Karte. Ein Kreuz, ein Kreuz in einer Wüste, Wüste, was suchten sie nochmal? Die Sonne strahlte schon so lange und so heiß auf ihre Häupter, dass die Gedanken schon verwirrt waren. Sie mussten endlich den Eingang finden zum Grab der Pharaonin. Wichtiger war aber Wasser zu finden. Felicitas bestand darauf und Herr Schnusi konnte das verstehen. Lieber wäre im allerdings eine fruchtige Limonade gewesen, aber ein Waschbär kann nicht alles haben. So stampften sie also weiter in die Richtung der Kompassnadel begleitet vom einem durstigen „Wasser, Wasser“ oder auch „Limo, LIMMMOOO!“.

Mittlerweile waren sie schon solange gegangen, dass Felicitas sogar den Sand nicht mehr richtig fühlen konnte. Statt heiß und körnig, war er nun angenehm kühl und weich geworden. Als Felicitas das merkte, stutzte sie. So fühlte sich Sand aber nicht an. Da war sie sich sicher. Oder? War Sand eigentlich grün? Dieser Sand hier war grün. War Sand grün? Felicitas fragte Herr Schnusi. Der verneint. Sie sahen sich beide an und man konnte förmlich ein Ausrufezeichen über ihren Köpfen sehen, das von einem „Aha!“ begleitet wurde. Das war wirklich kein Sand, sondern Gras. Sie liefen über Gras. Wo Gras war, war sicher auch Wasser. Wasser, das sie dringend brauchten. Plötzlich waren sie wieder völlig klar im Kopf und sahen sich suchend um. Dort vorne war etwas blaues, wasserblau und beide meinte auch ein Gluckern hören zu können. Die Erschöpfung war wie weg geflogen und beide rannten auf das Blaue zu. Und tatsächlich, es war Wasser.

Nachdem sich beide satt getrunken hatte und einen vollen Bauch voll mit Wasser hatten, sagte Herr Schnusi zu Felicitas. „Wir haben zwar nichts gefunden, aber das Wasser ist herrlich. Lass uns schwimmen gehen.“ Felicitas sah ihn nur komisch an, doch davon ließ sich Herr Schnusi nicht beirren. Ein Waschbär lässt sich nicht beirren. So ergriff er ihre Hand, zerrte sie hoch und rannte mit ihr ins Wasser. Mit einem Hechtsprung glitten sie beide ins Wasser, tauchten prustend wieder auf und schüttelten ihr Fell. Felicitas war eigentlich wasserscheu, aber nur weil sie noch nie im Wasser war. Jetzt gefiel es ihr immer besser. Ihren Auftrag hatten sie ganz vergessen, doch, wenn man sich vorstellt ein Vogel zu sein, der über diesem Teich fliegt, dann kann man sehen, dass das Gras von oben wie ein großes Kreuz aussieht. Genau in der Mitte dieses Kreuzes war der Teich. Doch davon wussten beide nichts, noch nicht.

 

6. Kapitel

Etwas hatte sich verändert, Herr Schnusi konnte es spüren. Er sah sich um. Felicitas kraulte derweil auf dem Rücken durch das Wasser, doch er wurde immer unruhiger. Was war anders als noch Augenblicke zuvor? Der Himmel war noch immer blau und die Sonne schien. Der Wind wehte leise über das Wasser und dann fiel es ihm auf. Ein leises Quietschen hatte sich mit dem Flüstern des Windes vermischt. Er versuchte zu horchen, woher das Quietschen kam, doch er konnte nicht. Plötzlich wurde das Quietschen lauter, Felicitas öffnete erschrocken die Augen und sah zu ihm rüber.

Plötzlich brach das Chaos aus. Aus dem Quietschen war ein gewaltiges Rauschen geworden und das Wasser schoss in die Tiefe und riss Herr Schnusi und Felicitas mit sich. Im letzten Moment konnte Herr Schnusi ihre Pfote packen. So rasten beide mit Angst in den Augen in den sich öffnenden schwarzen Schlund. Das ist das Ende, dachte Herr Schnusi, Felicitas versuchte sich selbst zu beruhigen. Mit rasender Geschwindigkeit rasten sie in den schwarzen Schlund, der sich immer weiter verengte. Dann wurde sie rasant mit dem Wasser zur Seite gerissen. Herr Schnusi schaute verblüfft auf. Der schwarze Schlund, der kurz zuvor bedrohlich wirkte, war in Wirklichkeit eine kurvenreiche Wasserrutsche, mit Kurven, Abfahrten und Loopings. Zwar konnte er kaum erkennen, wohin die Reise führte, doch seine Angst war wie weggeblasen und er schrie vor Aufregung. Felicitas blickte nur verwundert rüber. Herr Schnusi schrie ihr zu: „Das ist kein Loch, das ist ein riesige Wasserrutsche!“

Weitere rasante Kurven und Loopings später, fielen sie ein rundes Auffangbecken. Als sie aus dem Becken geklettert waren, sahen sich beide um. Auf den ersten Blick sah die Kammer in der sie wenig einladend aus. Vorsichtige tapsten sie durch die Kammer, um sich nicht zu verletzen. „Hey, komm mal her, sieh dir das an.“ flüsterte Felicitas. Man konnte ja nie wissen, wer noch alles in der Kammer war. Herr Schnusi schlich zu ihr rüber und sie deutete auf einen Gegenstand, der wie ein steinerner Schalter aussah. „Komisch,“ wunderte sich Herr Schnusi, „was mag das bedeuten?“ Seine Pfote hatte den Schalter schneller runter gedrückt als Felicitas „Halt“ sagen konnte.

Plötzlich flammte neben den Beiden wie von Geisterhand eine Fackel auf und gleichzeitig ihr gegenüber eine weitere. Dann flammten weitere Fackeln auf, die einen Weg von ihnen weg erleuchteten. Der Weg war eine Brücke, der von dem kreisrunden Podest auf dem das Auffangbecken lag, wegführte und in einem hell erleuchteten Tor mündete.

Als Felicitas und Herr Schnusi die Brücke überquert hatten, standen sie vor dem reich verzierten und wunderschönen Tor über dem geschrieben stand: „Das Grab der Pharaonin“. Sie konnten ihren Augen kaum glauben und fielen sich lachend in die Arme. Sie hatten es gefunden, endlich.

 

7. Kapitel

Doch die Freude über ihren Fund war schnell verpufft, nachdem sie durch die Gängen geirrt waren. Das Tor hat sich als Eingang zu einem Labyrinth entpuppt. Orientierungslos war das ungleiche Paar durch die Gänge gewandert, ohne jedoch etwas vom wirklichen Grab der Pharaonin zu finden. Beide waren völlig erschöpft von der Tortur des Tages. Erst das lange Wandern durch die Hitze unter Hunger und Durst und dann das jetzt. Wenigstens hatten sie ihren Durst stillen und ihre Flaschen am Becken auffüllen können. So konnten sie nicht verdursten. Immerhin etwas. Doch ein weitaus größeres Problem lag noch vor ihnen. Wenn sie das Grab gefunden hätten, dann war da immer noch die Frage, wie sie wieder aus diesem Labyrinth an die Oberfläche gelangen konnten.

„Lange halte ich das nicht mehr aus,“ ächzte Herr Schnusi und nahm einen tiefen Schluck aus seiner Wasserflaschen. „Ich brauche eine Pause.“ Felicitas war zu schwach um ihm zu antworten und ließ sich erschöpft auf eine steinerne Bank fallen. Prompt krachte die Steinbank laut und mit einem schrillen Schrei war die Katze verschwunden. „Was ist denn das jetzt? Was ist passiert?“ Erschrocken sah sich Herr Schnusi um. Wo war sie hin? „Felicitas? Feliiiiciiitassss?“ schrie er und ließ seinen Blick suchen umher wandern. Doch von Felicitas war keine Spur zu sehen. Er rief weiter nach ihr und wollte die Hoffnung schon aufgeben, als er ein leises, kaum hörbares „Hier! Ich bin hier!“ hörte. Der Waschbär spitzte die Ohren. Als er wieder etwas hörte ging er leise auf die Geräuschquelle zu und tastete die Wand ab. Seine Pfoten klopfte und pochten auf den harten Stein doch nichts geschah. Enttäuscht ließ sich Herr Schnusi auf die Steinbank gleiten.

Rummms! Mit einem Schwung hatte sich die Steinbank gedreht und er Herr Schnusi saß mitten in einem hell erleuchteten Raum. Er war behangen mit roten Vorhängen, in der Mitte stand ein großer, runder Tisch voll der erlesensten Speisen: Bratkartoffeln, Pommes, Berge von Spaghetti Bolognese. Doch das Beste war der riesige Schokobrunnen, der mitten auf dem Tisch stand. „Sieh dir das an“, rief Felicitas freudig. „Ist das nicht großartig?“ Herr Schnusi nickte nur, antworten konnte er nicht mehr, wenn er diese Speisen saß. Beide stürzten sich mit Heißhunger auf das Essen. Gerade als Herr Schnusi nach einer großen saftigen Hühnchenkeule greifen wollte, begann die Keule zu schweben. Er versuchte weiter nach ihr zu greifen, doch sie hüpfte immer ein Stückchen von ihm weg durch die Luft. „Was ist das? Will mich hier jemand ärgern?“ rief Herr Schnusi erbost. Felicitas sah zu ihm rüber und begann schallend zu lachen. Es sah aber auch zu komisch aus, wie der pelzige Waschbär hinter einer schwebenden Keule her sprang. Er verfolgte sie um den ganzen Tisch, bis er stolperte und mit dem Kopf im Schokobrunnen landete. „Das gibt es ja gar nicht!“, wunderte sich Felicitas. Die Keule war im Schokobrunnen gelandet und plötzlich begannen wie Bratkartoffeln im hohen Bogen vor ihr durch die Luft zu fliegen. Als ob jemand damit jonglieren würde. Aber da war doch unmöglich.

Herr Schnusi und die Katze sahen sich an. Was ging hier vor? Essen das fliegen konnte? Die Bratkartoffeln flogen im Bogen auf sie zu, dann begann die Melonen wie auf einer Achterbahn durch den Raum zu fliegen. Hoch und runter, links und rechts. „Ich versteh das nicht“, murmelte Herr Schnusi. Die flinke Geheimagentin wohl schon, denn sie griff nach dem Milchreis in einer großen Schüssel und schmiss eine geballte Landung nach der Melone. Sie fiel zu Boden, aber ein wenig des Milchreises war in der Luft hängen geblieben. „Los, hilf mir, mach schon“, forderte Felicitas den verwunderten Waschbären auf. Gesagt, getan. Beide griffen in die Schüssel und schmissen Milchreis in die Richtung des schwebenden Milchreises. Der sprang hin und her, rannte wild durch den Raum und versuchte den Geschossen auszuweichen. Doch immer mehr Milchreis blieb kleben, bis irgendwann eine mausartige Gestalt erkennbar wurde. Die Gestalt ließ sich auf den Boden fallen. „Hört auf, es reicht. Ich gebe auf“, schrie sie und zwei Milchreisklumpen wurden in die Höhe gestreckt.

 

8. Kapitel

Der weinende Milchreisklumpen hatte ihnen alles erzählt. Im Laufe des Gesprächs hatte sich herausgestellt, dass der junge Mann unsichtbar war. „Das ist mir schon vorher aufgefallen“, sagte Herr Schnusi trotzig. Sein Name war Marc Philippe Jorge Gonzalez Differentes a la Playa, seine Freunde nannten ihn einfach Marc. Seit über 2000 Jahren lebte er jetzt hier unten im Grab der Pharaonin. Sein Job hatte ihm am Anfang viel Spaß gemacht. Ab und zu ein paar Grabräuber verjagen, die sich zufällig hierher verirrt hatten und viel essen. Denn das Essen kam auf unerklärliche Weise immer wieder. „Das ist eine gute Nachricht!“, dachte sich Herr Schnusi und Felicitas schien seine Gedanken zu erraten. Doch mittlerweile erfüllte ihn sein Job nicht mehr, der Unsichtbare wollte mehr, er wollte bekannt werden. So hatte er bekommen in den letzten Jahrhunderten etliches an Tricks und Zaubereien zu erfinden. Leider hatte er gehört, dass all die anderen unsichtbaren Grabwächtern in all den anderen Kammern, die Tricks viel besser konnten. Das war wirklich schwer für Marc, er dachte er sei nichts besonderes. Außerdem hatte er nicht viel Publikum, es verirrte sich nicht oft jemand in diese Grabkammer. Das letzte mal vor 1973 Jahren und das ist eine lange Zeit. „Tja, da können wir jetzt auch nichts machen“, sagte Herr Schnusi und zuckte mit den Schultern, „Kannst du uns noch sagen wo das Grab der Pharaonin ist?“ „Dort entlang“, der Unsichtbare wies auf eine kleine Tür am Rande des Raums. Als sie beide durch die Tür schritten, drehte sich Herr Schnusi noch einmal um und sah das elendige Häufchen Milchreis auf dem Boden kauern. Seine Gedanken ratterten.

Doch das hörte schnell auf, nachdem sie das Grab der Pharaonin betreten hatten. So etwas hatten Herr Schnusi und Felicitas nicht gesehen. Sie standen Arm im Arm und bewunderten den Anblick: vor ihnen lang eine riesige Fläche voll gefüllt mit roten, grünen, blauen und gelben Bällen. Mit Türmen, Klettergerüsten und Rutschen, Klettertürmen mit Seilen und Tauen. Auf der linken Seite standen Liegestühle unter Palmen. In der Mitte konnten die beiden Abenteurer sogar eine Kartbahn sehen. Damit hatten sie wirklich nicht gerechnet. Wer konnte denn schon sowas erwarten? „Ist DASSS das Grab der Pharaonin?“, fragte Felicitas und eine sprechende Hinweistafel gab ihnen die Antwort: „Dies ist das Grab der Pharaonin. Verwundert, oh Abenteurer? Die Pharaonin selbst gab sie in Auftrag, weil Gold und Geld nichts ist gegen das Schönste auf der Welt: Ausgelassen Kind zu sein!“ schnarrte die Hinweistafel. Sie musste dringend wieder geölt werden. „Wo sie Recht hat, hat sie Recht.“, gab ihr Herr Schnusi Recht. „Ui, ich glaube das wird dem Pharao nicht gefallen....“, gab Felicitas zu bedenken, „dem wären Gold und Silber wohl lieber gewesen.“ „Hmm“, machte Herr Schnusi, „das wird sich sicher noch regeln lassen.“ Erstmal mussten die Beiden wieder raus aus der Grabkammer. Solange ohne Tageslicht ist selbst für hartgesottene Abenteurer nicht lange auszuhalten. Sie sahen sich um. Viele Spielgeräte, aber sonst nichts. Keine Treppe, erst recht kein Aufzug. Das hätte beide aber auch sehr verwundert. „Obwohl, wenn die hier schon so viele coole Sachen haben, warum keinen Aufzug?“, gab Felicitas zu bedenken. Herr Schnusi nickt, da war schon etwas dran. Da fiel ihm etwas ins Auge, das so ähnlich aussah wie ein Aufzug. Es war eine rechteckige Plattform auf der anderen Seite der Halle.

Als sie die Plattform erreicht hatten, waren sie an vielen anderen tollen Sachen vorbei gekommen. Da war eine große Schaukel, eine Seilbahn, eine Trampolinfläche mit vielen Trampolinen und noch viel viel mehr. Sie betraten die Plattform. „Was jetzt?“, fragte Felicitas und sah sich um. In der Ecke hing ein ein großer roter Knopf und darüber stand „Hier drücken!“ Die Geheimagentin näherte sich vorsichtig dem Knopf und drückte ihn. Mit einem „Boing“ waren beide verschwunden.

 

9. Kapitel

Eben standen sie noch auf der Plattform, jetzt flogen sie im hohen Bogen aus der Grabkammer heraus und durch die Luft. Wie von einem Trampolin waren sie durch die Plattform in die Luft geschleudert worden. Von hier oben konnten sie alles sehen und obwohl es so hoch war, hatten sie keine Angst. Sie sahen das große Rasenkreuz in dessen Mitte der Teich war. Sie sahen die Wüste und die Wolken und in weiter Entfernung konnten sie die Stadt erkennen. Felicitas meinte kurz ihre Jeeps zu sehen. Sie sausten durch die Luft und spürten den Wind in ihrem Fell und hofften das sie noch eine Weile fliegen würden. Doch dann merkten sie, wie sie langsamer wurden und an Höhe verloren. Sie fielen immer tiefer und gewannen an Geschwindigkeit. Bis sie auf etwas zu rasten, was sie an den Palast des Pharaos erinnerte. Sie steuerten genau auf den Palast zu. Herr Schnusi hielt sich die Pfoten vor die Augen. Doch was sollte das noch helfen? Sie wurden immer schneller und rasten auf den prunkvollen Palast des Pharaos zu.

Platschh!!!! Der Pharao erwachte aus seinem Mittagsschläfchen. Wer wagte es in aus seinen Träumen von Gold und Silber zu wecken. Er hatte gerade geträumt, wie ihm etliche Goldstücke auf den Kopf prasselten, während er in einem Bett aus Käse lag. Wo waren eigentlich die beiden Abenteurer, die er los geschickt hatte? Vielleicht war der Traum ja bald Wirklichkeit. Der Mauspharao setzte sich seine Mittagskrone auf und zog sich seinen Bademantel über. Dann marschierte er königlich in den Thronsaal und schrie nach seinen Dienern. „Was ist passiert? Wer wagt es mich aus meinem Mittagsschlaf zu wecken?“ brüllte er. „Herr Pharao, Sir! Tut uns wirklich sehr leid, aber wissen sie was passiert ist?“, stammelten seine Diener. „Was ist passiert?“ „Der Waschbär und die Katze sind wieder da. Sind gerade in ihrem königlichen Rundpool gelandet. Aus der Luft.“ Der Pharao rieb sich die Augen. Im Pool gelandet? „Bringt sie her!“ befahl er seinen Dienern. In diesem Moment meinte er ein „Plitsch“ gehört zu haben, doch er hielt es für Einbildung.

Felicitas ging voran in den Thronsaal, Herr Schnusi trottete hinter ihr her. Die Reise war anstrengend gewesen. „Ahh, da seid ihr ja. Berichtet!“, sprach der Pharao. Felicitas berichtet ihm begeister von dem was sie gefunden hatten und der Waschbär nickte dazu. Er war sehr erschöpft. „Aha. Ja, dann war die Reise doch umsonst. Kein Gold, kein Silber. Nur Spielgeräte und bunte Bälle. Ja, was soll ich denn damit?“ schrieb der Pharao und biss in ein Stück Käse. Damit hatten die Beiden nicht gerechnet. Das war doch eine gute Nachricht. Verdutzt sahen sich der Waschbär und die Katze an. Hinter der Katze sah Herr Schnusi auf einmal niemanden winken. Man kann natürlich niemanden nicht winken sehen. Aber Herr Schnusi war sich sicher eine Bewegung gesehen zu haben. Dann macht es Klick! Seine Augen leuchteten und ein Lächeln breitete sich in seinem Gesicht aus. Er drehte sich schwungvoll zum Pharao um, seine Erschöpfung war wie weg gepustet.

„Herr Pharao, Sir!“, rief Herr Schnusi fröhlich. „Sie wollen Geld verdienen. Das ist klar, welcher großer Herrscher will das nicht?“ „Ja, stimmt, da ist was dran“, murmelt Tutench-Maus „fahr fort.“ „Wir beide“, Herr Schnusi deutete auf sich und die Katze, die ihn nur verblüfft an sah, „wir beide möchte natürlich nicht, dass so eine wundervolles Grab, wie das was wir gefunden haben einfach zerstört wird oder das es niemand zu Gesicht bekommt.“ „Worauf wollt ihr hinaus? Ich hab keine Lust mir euer Gefasel anzuhören“, antwortete die Maus gelangweilt. „Dann seht jetzt genau hin, denn es folgt eine Sensation: die Jonglage im Nichts!“ rief Herr Schnusi aus und wies mit dem Arm nach hinten. Ihr könnt euch sicher denken, was vorher geschah und wen Herr Schnusi gesehen hatte. Richtig, es war Marc, der unsichtbare Mann. Es war ihm einfach furchtbar langweilig geworden in dem Raum voller Essen. Daher war er den beiden heimlich gefolgt, was einfach ist als unsichtbarer Mensch. So war er dann auch mit einem Plitsch im Teich des Pharaos gelandet und in seiner Neugier hinter den Beiden hergeschlichen. Marc hörte was Herr Schnusi rief und er begriff. Schnell griff er nach ein paar Käse-Laibern, die in dem Thronsaal überall verteilt lagen.

Erst war Tutenchmaus noch sehr gelangweilt gewesen, doch plötzlich flogen Käse-Laiber durch die Luft, doch es war niemand zu sehen, der sie umher warf. Ja, gab es denn sowas. Der Pharao schloss die Augen und öffnete sie wieder. Doch die Käselaiber flogen immer noch, es war sogar noch mehrere Orangen dazu bekommen und ein Toaster. Alles zusammen flog in einem hohen Bogen durch die Luft. „Was ist das denn?“ rief er verblüfft und ein wenig interessiert. „Das ist Teil meiner neuen Geschäftsidee“, antwortete Herr Schnusi und ging zum Thron, um dem Pharao zu erzählen, was er vor hatte.

 

10. Kapitel

„Ja, wie jetzt? Was ist denn dann passiert?“, schnatterte Emma, der Papagei dazwischen. „Was ist mit Marc passiert?“, fragt Lukas der Tiger. „Ja, was ist mit Marc? Dem ging es ja irgendwie wie mir heute, oder?“, sagte Freddy, der graue Elefant. „Das stimmt“, sagte Herr Schnusi, „ich will euch dann mal erzählen was noch passiert ist. Frau Schnusi?“ Frau Schnusi huschte herbei und flüsterte ihm was ins Ohr. Herr Schnusi lachte auf, kraulte ihr liebevoll das Fell. Sie schnurrte genussvoll wie eine Katze. „Heute ist ein ganz besonderer Tag“, sagte Herr Schnusi dann zu den Kindern. Die sahen sich nur fragend an. Dann erzählte Herr Schnusi, was passiert war. Und das war so:

Herr Schnusi hatte dem Pharao seine großartige Idee erzählt: er könnte aus dem Grab der Pharaonin einen großen Vergnügungspark machen. Mit einer großen Rutsche, mit einem Raum des Unendlichen Essen und einer riesigen Vergnügungslandschaft und dem höchstens Trampolinsprung der Welt. Aber der absolute Höhepunkt des Parks war die Zauber- und Akrobatik-Show des unsichtbaren Mannes. Der Pharao war begeistert, denn so konnte er viel Geld verdienen. Herr Schnusi und Felicitas waren begeistert, denn so war das Grab gerettete und jeder konnte es sich ansehen. Auch Marc war begeistert, endlich hatte er Publikum und konnte seine tollen Tricks allen zeigen. Als Herr Schnusi das erzählt hatte, lachten die Kinder laut. „Das klingt ja großartig“, „Boah, da will ich unbedingt hin.“ Freddy trötete laut und sagte dann feierlich: „Ich habe heute etwas gelernt.“ Die Kinder und Herr und Frau Schnusi warteten gespannt, was das denn sein könnte. „Ich habe gelernt“, sagte Freddy langsam um es spannend zu machen, „ich habe gelernt, dass jeder was kann. Jeder kann etwas was ihn besonders macht. So wie Marc, der unsichtbare Jongleur!“ Da freuten sich die Kinder, Herr Schnusi lächelte Freddy aufmunternd an. „Das hast du Recht! Jeder kann etwas.“, sagte er, „ aber auch der Pharao hat damals etwas gelernt. Und zwar, dass Geld ganz gut ist, aber viel wichtiger ist es, dass man immer noch spielen und toben kann wie ein Kind. Und deswegen hat er mich und meine Freunde eingeladen jedes Jahr einmal in den Vergnügungspark zu kommen. Und morgen ist dieser Tag. Wir alle fliegen in den Vergnügungspark, wenn ihr Lust habt und eure Eltern es euch erlauben.“ „Jaaaah“, „Großartig, das wird sicher super.“ Emma flog vor Freude hin und her. Lukas machte einen Purzelbaum und Freddy trötete vor Freude. „Los wir wollen schnell fragen gehen“, sagte Max, der Affe. Schon waren die vier Freunde unterwegs und rannten lachend zu ihren Eltern. Herr Schnusi und Frau Schnusi standen Arm in Arm, sahen den Kindern hinterher und lächelten.