Der Erdling

Bild von Valeska Csar
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Es war einmal vorzeiten, da lebte ein Erdling. In seinem Leben hatte der Erdling nichts worauf er zurück blicken konnte, und nichts auf das er voraus schauen würde. Er war an Jahren jung, dennoch zu alt, eine Jungfrau ungeküsst, in seinem Kopf eine Persönlichkeit, die sich ständig verlieren mochte; Sein Körper, ein Körper, den er nicht lieben konnte, sein Leben, ein Leben das nicht dasein konnte - Nur ein immer weilender Kampf mit sich, den er nicht kämpfen wollte. Er saß in seiner Kinderkammer, die Türe verschlossen, anders würde er ausgesogen von den gescheiterten Existenzen, deren Erbgüter ihn hervorbrachten. In seiner Hand kämpfte mit jedem Schlag seines verstümmelten Herzens sein nähster Freund mit der heute schon siebenten Onanie. Er sollte ihn seiner inneren Zerrissenheit entwenden, seine Schmerzverdrossenheit lindern, und er solle die Angst verwaschen eines Tages als Monster sich nicht mehr zu erkennen, obgleich er schon heute sich nicht erhaschen wollte im Spiegel. Die Welt in seinem inneren war das Einzige wohin er sah und lebte, das Helle, die Wärme, die Zukunft, eine Phantasie, in die er sich zu flüchten wusste, während unter den lila Wolken die Finsternis seine Gedankenwelt gebar. Im Aufschrei einer jeden Wehenklage lag ein Namen, den es stetsfort zu sich rief. KRAMPUS. KRAMPUS. KRAMPUS. KRAMPUS. KRAMPUS. KRAMPUS. KRAMPUS. Es war die Welt da draußen, die spüren sollte, spüren seinen Schmerz, die verstehen sollte, auf dass sie wieder schön werde und gut zu ihren Kindern sei. Sie ist es, die immer schlimmer wird und jede Gerechtigkeit verwirkt. Sie bot ihm keine Perspektive für eine Gegenwart, wenn er schon selbst sich keine Perspektive bot. So stand er auf, wanderte in seinem Zimmerlein versunken im Nichts durch sein Gedankenmeer umher, der Schatten seines Selbsts auf der grau vertrübten Oberfläche der schwarzen Wasser. In der Realität aber als Geist in einer Welt, deren Teil er nicht gewesen ist.

(c) Valeska Csar

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