Brieflein an den Onkel Thaddäus

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Lieber Onkel! So deine Seele nach einer ewiglich sanftmütigen Erfüllung sucht, vollzieht sich eben deine kleine Ewigkeit hienieden. Und ich will meine Ewigkeit auf Eden deinethalben und um meiner Träume willen wachrufen. Ich bin willens, einen zu philosophierenden Brief mit Reflexionen über Mensch niederzuschreiben. Aus meinem vorherigen Essaylein geht hervor, dass vielerlei Wege zu einer Menschwerdung führen, wozu man Philosophie, Religion, Dichtkunst (auch die Literatur im Allgemeinen) und daneben eine Träumerei zählt, die jedermann zugänglich zu sein scheinen.
Die Literatur, sich stützend auf eine Schönheit, ist immer lobenswert. Literaten sind verantwortlich für einen Zaubergeist einer Ästhetik, der sowohl in einer Ontologie der Geschichte als auch in der zarten Ewigkeit verwurzelt ist. Die Literatur bringt alle Paradiese (bestimmt für all Bekenntnisse auch Verehrer der Altertumsgötter!) näher. Du kannst dank der Literatur, auch träumen, verehrter Thaddaeus!. Also eine besondere Rolle spielten und spielen immer noch die Literaten. Unter ihnen besonders erwähnenswert sind Illuminaten, zuvörderst niedrigen Grades im achtzehnten Jahrhundert in Deutschland, die für eine kurze Zeit einen Geheimorden gründeten. Ein Illuminat als Literat trat auf. Ich kann ihn ein Vergissmeinnichtbarde nennen. Die aufgeklärten Illuminaten schreiben: schriftliche Ausfertigungen zu einem gegebenen Thema, Protokolle (quibus licet) in Heften, die höhere Illuminaten stellen die sogenannten Reprochen-Zettel mit Bewertung jener Hefte aus.
In welchen literarischen Formen schrieb man die dreierlei Texte, weiß ich das nicht.
Wenn ich ein Rex, Zauberer oder Priester der Illuminaten von ehedem oder ein Mitglied des Areopag von München gewesen wäre, würde ich qiubus licet als Prosa oder Lyrik, Zettel als Haikus oder Aphorismus und die schriftliche Arbeit in Form von einem Essaylein geregelt haben. Es ist anzumerken, dass es den Illuminaten an einer Zeit fehlte, alles ihretwegen zu bestimmen, zumal mancherlei Riten nicht beschrieben worden sind.
Der Mensch soll immer ein Herz haben. Gemäß den Ordensmitgliedern würden abstrakte, theoretische und spekulative Kenntnisse das Herz um nichts verbessern. Meiner Ansicht nach muss das Herz nach diesen Erleuchteten ein Schimmerherz (Vergissmeinnichtherz) benannt werden. Das ist eine Bezeichnung sui generis. Das Herz ist eine Sphäre des Erleuchtetseins und der Aufgeklärtheit, die mit einem Wissen vieles zu tun haben. Bei allen Mitgliedern funkelt licht das Herz, sogar bei den Niedrigsten im Orden. Man geht, werter Ohm Taddäus, davon aus, dass die Herzen der höchsten Herrscher dessen am lichtesten scheinen und hellauf zu sein scheinen und das ihrige, das echte Schimmerherz einigermaßen das Vollkommene ist.
Darüber hinaus, soll ein Mensch, so wie die Illuminaten sich gen Gesellschaft, Macht Religion wehren. Man verweigert kaum Geist des Glaubens, sondern eine Struktur. Man kann einer Ethik halber auch, parallel zu Priestern in Kirchen, auch moderne Druiden berufen, die eine Niedlichkeit der Metaphysik zu verewigen vermögen.

Kommentare

21. Dez 2020

Gesunde Leute werden Menschen nach ihrer Menschwerdung durch: Träume, Wissen, Politik, Philosophie, Literatur, religiöse Denkerei. Sie sollen auf Werdung harren, danach streben. Kranke werden Menschen einfach seit einer Empfängnis. Das ist zart.